Gedrückte Stimmung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit ... solche Symptome können zu einem Winterblues gehören, aber auch Anzeichen für eine Depression sein. Wie ihr das unterscheiden könnt und was ihr tun solltet, wenn ihr mehr als nur den Blues habt, erfahrt ihr hier.

Einen sogenannten Winterblues von einer Depression zu unterscheiden, ist manchmal gar nicht so einfach. Manche Symptome ähneln sich nämlich – beispielsweise, dass ihr euch erschöpft und schlapp fühlen könnt, vielleicht müde seid oder antriebslos.

Zwei Anhaltspunkte können euch aber einen ganz guten Hinweis geben: So ein saisonales Tief, das meist im Herbst oder Winter auftritt, geht oft einher mit gesteigertem Appetit, sodass Betroffene oft auch zunehmen. Und sie schlafen meist auch mehr.

Anzeichen für eine Depression

Bei einer Depression ist das in der Regel umgekehrt: Die Betroffenen verlieren eher ihren Appetit und schlafen trotz Müdigkeit häufig nicht mehr, sondern weniger, weil sie an Ein- oder Durchschlafstörungen leiden.

Das muss aber nicht immer so sein, warnt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katrin Ohlendorf, ihr solltet daher immer auch auf weitere typische Anzeichen achten, die bei einer Depression auftreten können. Zu den wichtigsten zählen:

  • gedrückte Stimmung
  • Interessen- oder Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel
  • Erschöpfung und schnellere Ermüdbarkeit
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme
  • Gefühle wie Schuld oder Wertlosigkeit
  • Hoffnungslosigkeit

Auch Suizidgedanken gehören zu den möglichen Symptomen. Solltet ihr die haben, wendet euch bitte sofort an eine vertraute Person oder lasst euch von einer anderen Stelle helfen.

"Wenn von diesen Krankheitszeichen mehrere – vier oder fünf – über längere Zeit permanent bestehen, dann spricht man zumindest von einer leichten Depression."

Wenn mehrere dieser Anzeichen auf eine Depression, vier oder fünf der Symptome etwa, über einen Zeitraum von zwei Wochen bestehen, dann sind die Diagnosekriterien eine Depression erfüllt, sagt Ulrich Hegerl, Psychiater und Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Depression ist nicht immer einfach zu erkennen

So deutlich lässt sich das nur leider oft nicht erkennen, vor allem zu Beginn der Krankheit. Vielen Betroffenen ist es durchaus möglich, noch recht lange eine Fassade aufrecht zu erhalten in der Uni, im Job oder sogar im Familien- und Freundeskreis, erklärt Katrin.

Gründe dafür können Schuldgefühle sein, auch Scham spielt leider oft noch immer eine Rolle. Nicht zuletzt auch der Wunsch, dass alles in Ordnung ist, kann ein sehr starker Motor sein, anderen – oder sogar sich selbst – glaubhaft zu machen, alles sei okay.

Erste Anlaufstelle: Hausarzt

Wenn ihr solche Symptome in dieser Dauer an euch beobachtet oder aus anderen Gründen den Verdacht habt, ihr könntet eine Depression haben, könnt ihr euch in einem ersten Schritt an eure Hausärztin oder euren Hausarzt wenden.

Dabei ist es wichtig, dass ihr dort ganz offen redet, rät Ulrich Hegerl. Heißt: Ihr solltet nicht nur von körperlichen Beschwerden berichten wie etwa Schlafstörungen, Rücken-, Kopf- oder Magenschmerzen – alles körperliche Symptome, die auch durch eine Depression verursacht sein können.

Wichtig für die Diagnose: über Gefühle sprechen

Ihr solltet auch genau darüber berichten, wie ihr euch fühlt – etwa wenn ihr Schuldgefühle habt, ihr euch wertlos vorkommt oder euch Ängste umtreiben. Ohne diese Einblicke ist es auch für gute Ärzt*innen nur schwer zu erkennen, ob eine Depression vorliegt oder ob nicht, und welches Ausmaß sie hat.

"Auch leichte Depressionen sind schwere Erkrankungen mit reduzierter Lebenserwartung und erhöhter Suizidgefährdung. Der Begriff 'leichte Depression' ist irreführend."
Ulrich Hegerl, Psychiater und Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Solltet ihr das Gefühl haben, euer Hausarzt oder eure Hausärztin hört euch nicht zu oder hat nicht ausreichend Verständnis für euch, sprecht das an, rät Katrin. Einen guten Arzt oder eine gute Ärztin zu erkennen, ist für Laien auch nicht leicht, sagt der Psychiater Ulrich Hegerl. Wichtig sei in jedem Fall, dass er oder sie sich Zeit nimmt und die Depressionssymptome abfragt – auch, ob ihr Suizidgedanken habt.

Zudem sollten körperliche Ursachen für die Symptome ausgeschlossen werden. Und die Diagnose und vorgeschlagene Behandlung sollten gut erklärt werden. Im Zweifel sucht eine weitere Stelle auf, so unsere Reporterin, auch wenn das in so einer Situation viel Kraft kosten kann. Das Wichtigste ist, dass ihr auch wirklich die Hilfe bekommt, die ihr braucht.

Behandlungsmöglichkeiten bei Depression

Wie es dann weitergeht, wenn tatsächlich eine Depression festgestellt wird, ist abhängig von der genauen Diagnose, erklärt Katrin, etwa dem Grad der Depression. Psychotherapie ist eine Möglichkeit, auch Antidepressiva könnten verschrieben werden, wobei es zu deren Wirksamkeit unterschiedliche Ansichten gibt, ergänzt sie. Möglicherweise werdet ihr an einen Facharzt, eine Psychiaterin weiter verwiesen. Auch ein Klinikaufenthalt käme infrage.

Die Art der Therapie müssen die Betroffenen letztendlich individuell gemeinsam mit den Behandelnden festlegen und dabei den für sie besten Weg finden. Der allererste Schritt ist aber immer: Hilfe suchen und abklären lassen, wenn Anzeichen für eine Depression bestehen.

"Ihr habt ja auch nichts zu verlieren, nur was zu gewinnen – nämlich die Chance, dass ihr früher Hilfe bekommt, wenn denn wirklich eine Depression vorliegt."
Katrin Ohlendorf, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

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  • Gesprächspartnerin:  Katrin Ohlendorf, Deutschlandfunk Nova