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Sophia war jahrelang depressiv. Auf die Beziehung mit ihrem Ex-Freund hatte das deutliche Auswirkungen. Am Ende kam es zum Bruch. Dabei kann eine Depression die Beziehung auch stärken - wenn man sie zusammen durchsteht.

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland ist von Depressionen betroffen – entweder direkt, weil sie selbst depressiv sind, oder indirekt, weil ihnen jemand nahesteht, der oder die an einer Depression erkrankt ist.

Kleine Streits mit großen Folgen

Das heißt: Es gibt viele Paare, bei denen einer – oder, sehr viel seltener, auch beide – sich mit dem Thema Depression auseinandersetzen müssen und bei denen sich dadurch etwas in der Beziehung verändert. So war es auch bei Sophia aus Bayern und ihrem Ex-Freund.

Wenn du in ein depressives Loch stürzt

Sophia erzählt, dass bereits kleine Streits bei ihr große Auswirkungen hatten: "Die sind dann halt bei mir gleich so ausgeartet, weil ich halt so extrem sensibel war und mich dann so kleine Sachen einfach in auch ein richtiges Tief, in so ein depressives Loch, reinstürzen konnten."

"Wenn es einmal im Kopf losgeht, dann bildet man sich so seine eigene Geschichte, und dann kommt man schnell in diese Abwärtsspirale rein. Und manchmal ist es auch in einer Trennung ausgeartet."
Sophia, 27, ihre Depression hat sich auf ihre Beziehung ausgewirkt

Sophia und ihr Ex-Partner trennen sich während ihrer achtjährigen Beziehung immer wieder. Durch die Depression fällt es ihr zudem schwerer, über ihre Gefühle zu sprechen. Stattdessen schreibt sie ihrem Freund immerhin Briefe. Und sie klammert sich an ihn, möchte, dass er ständig bei ihr ist, weil sie Angst vor dem Alleinsein hat. Ihr größtes Problem, sagt Sophia.

"Weil ich einfach mit meinen Gedanken – und ich hab sie immer so ein bisschen als meine Dämonen bezeichnet – alleine war. Und das hat meistens nicht so gut geendet."
Sophia, 27, ihre Depression hat sich auf ihre Beziehung ausgewirkt

Soziale Abhängigkeit in der Beziehung

Sophias Ex fühlt sich eingeschränkt und kontrolliert. Die beiden sind zusammen, seit Sophia 17 ist – für beide ist es die erste wirklich lange Beziehung. Schon das allein zu sortieren, ist eine Herausforderung. Mit Sophias Depression obendrauf sind beide oft überfordert. Aus Sophias Sicht hat das Loslassen der Beziehung wegen der Depression länger gedauert.

"Ich denke, ich habe ein bisschen so eine soziale Abhängigkeit von meinem damaligen Partner entwickelt."
Sophia, 27, ihre Depression hat sich auf ihre Beziehung ausgewirkt

Am Ende geht die Beziehung trotzdem in die Brüche. Die Depression war dafür allerdings nicht der Grund – vielmehr wollte Sophia gern auswandern. Mittlerweile hat sie das getan und lebt mit ihrem jetzigen Mann in Sri Lanka. Ihre Depression hat sie inzwischen in den Griff bekommen.

Wichtig: Hilfe von Partnerin oder Partner

Auch Ulrich Hegerl weiß, dass eine Depression eine echte Herausforderung für eine Beziehung sein kann. Er leitet die Deutsche Depressionshilfe und erklärt, dass Betroffene von der Unterstützung ihres Partners oder ihrer Partnerin profitieren.

"Viele depressiv Erkrankte antworten auf die Frage, was für sie eigentlich am hilfreichsten ist: dass der Partner einfach da ist."
Ulrich Hegerl, Leiter Deutsche Depressionshilfe

Bei etwa einem Drittel der Befragten habe das sogar dazu geführt, dass der gemeinsame Umgang mit der Depression ihre Beziehung gestärkt habe, so Ulrich Hegerl.

"Das gemeinsame Durchstehen dieser schweren Erkrankung, vielleicht auch die Gespräche und das Gefühl, dass man zusammengehört und zusammenhält – auch in schwierigen Zeiten – haben bei vielen die Beziehung vertieft und gestärkt."
Ulrich Hegerl, Leiter Deutsche Depressionshilfe

Was Sophias Mann heute anders macht, wenn sie doch mal wieder eine depressive Phase hat, was ihr heute Hoffnung gibt und was Ulrich Hegerl betroffenen Paaren rät, das hört ihr in der neuen Podcastfolge von "Eine Stunde Liebe" über Beziehung und Depressionen.

Dieses Thema belastet dich?

Hier findest du eine Übersicht zu Hilfsangeboten.

Shownotes
Psychologie
Wie eine Depression die Paarbeziehung stärken kann
vom 18. September 2026
Gesprächspartnerin: 
Sophia, 27, ihre Depression hat sich auf ihre Beziehung ausgewirkt
Gesprächspartner: 
Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Deutsche Depressionshilfe
Moderator: 
Gero Simone
Redaktion: 
Julia Rosch
Produktion: 
Julian Speyer
  • Sophia schreibt ihrem Freund Briefe
  • Grund für die Trennung
  • Do's & Dont's der Deutschen Depressionshilfe
  • Depressionen können Paare stärken
  • Liebestagebuch
Quellen aus der Folge: