Viel zu alt oder noch zu jung: Unser Alter wird bei vielen Dingen zum Maßstab und kann deshalb auch zu Diskriminierung führen. Eine Studie hat das nun untersucht. Ein Ergebnis: Es überwiegen Vorurteile und Diskriminierung gegenüber alten Menschen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat in einer Studie Altersdiskriminierung untersucht. Das Phänomen ist nicht selten: Jede zehnte Beratungsanfrage an die Behörde im Jahr 2020 bezog sich auf das Merkmal Alter.

"Altersdiskriminierung betrifft nicht nur alte Menschen. In einem Fall wurde ein 33-Jähriger gefragt, ob er denn überhaupt mit einem jungen Team zurechtkommen würde."
Ferda Ataman, Anti-Diskriminierungsbeauftragte

Ein wichtiger Punkt, der sich auch in der Studie bestätigt hat: Altersdiskriminierung betrifft nicht nur alte Menschen. Ferda Ataman ist die Anti-Diskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung und hat die Studie vorgestellt. Sie berichtet von einem 33-Jährigen, der in einem Bewerbungsgespräch gefragt wurde, ob er denn überhaupt mit einem jungen Team zurechtkäme.

Eine Rolle spielt dabei auch, wie wir Alter überhaupt wahrnehmen. Durchschnittlich bezeichnen die Deutschen jemanden als alt, wenn die Person über 61 ist – das bedeutet aber auch, dass es Menschen gibt, die bereits 30- oder 40-Jährige als alt einstufen.

Befragung: Altersdiskriminierung so häufig wie Rassismus

In der Studie gaben etwa genauso viele Menschen an, aufgrund ihres Alters diskriminiert worden zu sein wie durch Rassismus. Das kennt Ferda Ataman auch aus der Praxis: An die Anti-Diskriminierungsstelle wenden sich 60- bis 70-Jährige, die einen Mietvertrag nicht mehr bekommen, weil es den Vermieter*innen zu riskant ist, oder 50-Jährige, die erleben, dass sie auf dem Arbeitsmarkt als "nicht mehr vermittelbar" gelten.

Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sei das problematisch, so die Anti-Diskriminierungsbeauftragte.

"Es gibt die Vorstellung, alte Menschen hätten viel Macht und mehr Einfluss in der Gesellschaft. Im Bundestag macht die Gruppe der über 65-Jährigen aber beispielsweise nur fünf Prozent aus."
Ferda Ataman, Anti-Diskriminierungsbeauftragte

Ein Drittel der Gesellschaft findet, dass alte Menschen den jüngeren Platz machen sollte. Diese Annahme ist von der Vorstellung geleitet, dass alte Menschen in wichtigeren Positionen sitzen und mehr Einfluss auf die Gesellschaft haben. Die Realität sieht aber oft ganz anders aus, erklärt Ferda Ataman. Das zeige sich beispielsweise auch in den Debatten um Renten und Senior*innen – da scheint der Einfluss der Älteren überhaupt nicht bedeutungsvoll zu sein.

Auch Jugend wird diskriminiert

Neben Stereotypen von alten Menschen, verfestigen sich auch Klischees über die junge Generation. Sie würde beispielsweise nur am Handy hängen und sich für Politik nur in Sachen Klimaschutz interessieren. Außerdem sind es oft junge Frauen, die von Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt betroffen sind, da Arbeitgeber befürchten, sie könnten Kinder bekommen.

Diskriminiert werden junge Menschen beispielsweise oft auch dann, wenn es um Beförderungen geht. Dann heiße es beispielsweise, sie müssten noch warten. Das sollte allerdings kein Kriterium sein, sondern lediglich ihre Qualifikation, findet die Antidiskriminierungsbeauftragte.

"Viele Menschen in Deutschland wissen überhaupt nicht, dass Altersdiskriminierung gesetzlich verboten ist."
Ferda Ataman, Anti-Diskriminierungsbeauftragte

Der Allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz, der im deutschen Grundgesetz festgeschrieben ist, verpflichtet dazu, Benachteiligungen aufgrund der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, der sexuellen Identität oder eben des Alters zu verhindern oder zu beseitigen.

Ferda Ataman ruft dazu auf, Fälle von Altersdiskriminierung bei der Anti-Diskriminierungsstelle zu melden. Ihre Aufgabe ist es, im Einzelfall Beistand und Beratung zu leisten.

  • Moderatorin:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Ferda Ataman, Anti-Diskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung