Mit Handschuhen an der Bratwurstbude und doppelt so vielen ehrenamtlichen Helfern wie üblich: Der BSC Schwalbach muss sich anstrengen, um die Corona-Richtlinien des Hessischen Fußballverbands umzusetzen. Doch das sei es wert, sagen die Leute dort. Unser Reporter war vor Ort.

Mannschaftsport - das klingt in Zeiten der Corona-Krise erst einmal unmöglich. Doch nicht nur in der Bundesliga soll es wieder mit Fans im Stadion losgehen, auch die Kreisligen dürfen ihre Tore für Spieler und Publikum öffnen - nicht aber ohne ein Hygiene-Konzept.

"Alles in allem läuft es gut. Beim Eintragen in die Listen meckern immer mal wieder ein paar Leute wegen Datenschutz."
Uschi, Betreuerin des Kassenhauses und Hygiene-Beauftragte des BSC Schwalbach

Der BSC Schwalbach in der Nähe von Frankfurt am Main hat sich für den Saison-Auftakt gut vorbereitet: Es gibt Markierungen am Boden, die für Abstand sorgen sollen, vor dem Wurstbüdchen ist eine Plexiglasscheibe aufgestellt. Mundschutz ist, außer auf dem eigenen Platz, für alle Pflicht.

"Rund 30 ehrenamtliche Helfer sind rund um das Spiel beschäftigt. Das sind doppelt so viele, wie es in normalen Zeiten braucht."
Jonas Schulte, Deutschlandfunk Nova

Um das Hygiene-Konzept umzusetzen, sind mehr Ehrenamtliche als gewöhnlich im Einsatz. Beim BSC Schwalbach finden sich zwar genügend Freiwillige, doch auch für sie ist es nicht einfach, dafür zu sorgen, dass alle Maßnahmen, die der hessische Fußballverband fordert, eingehalten werden.

Verschiedene Zonen sorgen für Ordnung

Um die Kontakte möglichst überschaubar zu halten, hat der Verein seinen Fußballplatz in drei Zonen aufgeteilt: Den Kabinenbereich, das Spielfeld und den Zuschauerbereich. Diese Bereiche bleiben strikt getrennt, so dass sich die verschiedenen Gruppen möglichst nicht vermischen.

Das soll im Fall der Fälle die Infektionsketten nachvollziehbarer machen. Innerhalb der Gruppen gelten weitere Bestimmungen: So dürfen sich in der Kabine maximal fünf Spieler gleichzeitig umziehen. Und auf den Publikumsrängen dürfen die Zuschauer sich maximal in Zehner-Gruppen zusammensetzen.

Kassenhäuschen des BSC Schwalbach
© Deutschlandfunk Nova | Jonas Schulte
Solange der Spielbetrieb weiterläuft, tragen Uschi und Dieter gerne Mundschutz

Besuch vom Ordnungsamt jederzeit möglich

Nicht nur die Ehrenamtlichen schauen darauf, dass die Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden. Das Ordnungsamt könnte jederzeit vorbeikommen und sich vergewissern, dass alles klappt. Sollte es Mängel feststellen, steht ein Verein schnell vor dem Aus, sagt unser Reporter Jonas Schulte.

Das Publikum steht also mit in der Verantwortung. Gerade solche, die demonstrativ gegen die Regeln verstoßen, könnten einem ganzen Verein schaden.

"Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich Hygienebeauftragter hier werden soll, dann hätte ich gesagt: Du hast doch wohl einen Vogel. Was soll ich noch alles machen?"
Sven Müller, Hygiene-Beauftragter des BSC Schwalbach

Sven Müller wurde zum Hygiene-Beauftragten des Vereins gewählt: Er soll die Zuschauer ermahnen, wenn sie gegen die Corona-Regeln verstoßen. Eine Aufgabe, die vor einem Jahr unvorstellbar für ihn gewesen wäre. Aber wenn es nötig ist, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, arbeitet er auch sämtliche Lektüre dafür durch, sagt er.

Nicht alle Regeln nachvollziehbar

Für die Zuschauer braucht er oft Fingerspitzengefühl. Aber allzu oft muss Sven Müller nicht eingreifen, sagt er. Im letzten Spiel sei es zwei- oder dreimal gewesen. Einige Regeln seien schwer zu vermitteln. Etwa die, dass sich Spieler und Zuschauer am Feld nicht treffen dürfen, später aber vor der Kabine sowieso zusammentreffen.

Das Publikum ist am Ende jedenfalls ganz zufrieden mit dem Krisen-Management des Vereins. Ein Besucher sagt, es sei alles super gelaufen, und er konnte sich trotz Maßnahmen schließlich unterhalten und auf Abstand zusammen Bier trinken. Wenn das die Maßnahmen sind, dann nehme er das gerne in Kauf.