"Two and a half men", "Game of Thrones", "Dating Daisy" oder "Prison Break": Die Zahl der Serien in deutschen Fernsehprogrammen hat in den vergangenen Jahren explosionsartig zugenommen und ein Ende ist nicht in Sicht.

Was fasziniert uns so daran? Warum schauen wir nicht nur den "Tatort" am Sonntag, sondern fahnden am Montag darauf in den Online-Foren, um auch noch herauszufinden, was Andere von der neuesten Folge halten - und twittern obendrein unsere eigene Meinung dazu. Längst reicht es uns nicht mehr, nur den Mörder herauszufinden - seit einigen Jahren urteilen wir zudem über die Machart der jeweiligen Folge und darüber, ob die Charaktere der Hauptdarsteller realistisch sind.

"Hmm!? Welche Rolle sollen wir der Mörderin geben? Wie wärs mit einer Psycho-Lesben-Apothekerin? - Au ja, so machen wirs!"
"Die Mutti", Kommentar auf Twitter

Der Fortsetzung einer Serien-Geschichte folgen treue Fans oft über Jahre hinweg. Und nicht nur in einem Medium. Wem beispielsweise "Star Trek" im TV nicht ausreicht, wechselt in den Marketing-Shop, der ihn mit Kostümen ausstattet, in denen man sich dann gerne beim Event unter Gleichgesinnten zeigt. Und überhaupt: Das Gemeinschaftsgefühl ist ungemein wichtig:

"Selbst wenn man in den eigenen vier Wänden ohne Gesellschaft in die Glotze starrt, weiß man, dass Millionen Menschen zur selben Zeit das Gleiche tun"
Frank Kelleter, von "Psychologie Heute"

Das Faszinosum "Tatort" stellt der Kulturwissenschaftler Professor Daniel Stein von der Universität Siegen in den Mittelpunkt seines Vortrages. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung der amerikanischen Populärkultur seit dem 19. Jahrhundert. Passend dazu der Titel: Tatort, Simpsons und Co. - Serielles Erzählen in der Populärkultur". Gehalten hat er ihn innerhalb der Reihe "Exkurs" der Deutschen Forschungsgemeinschaft am 17. Juli 2014 in München.

"Leser oder Zuschauer werden aufgefordert, sich intensiv mit dem Serieninhalt zu identifizieren, indem sie den Konsum der Serie in ihren Alltag integrieren und sich darüber hinaus zu einer verstärkten Kommunikation über das Erzählte animieren lassen."
Prof. Daniel Stein, Universität Siegen