Schön schnell und schön billig: So sollen die Amazon-Mitarbeiter im Versand arbeiten. Deswegen streiken sie jedes Jahr in der Weihnachtszeit – jedenfalls ein bisschen.

Auch in diesem Jahr versucht Verdi, den Versandhändler Amazon im Weihnachtsgeschäft mit Streiks unter Druck zu setzen. Die Gewerkschaft rief eine Woche vor Heiligabend die Beschäftigten in zwei Logistikzentren zum Streik auf – im nordrhein-westfälischen Werne bis Dienstag, den 18. Dezember, in Leipzig bis Weihnachten. Darüber haben wir mit Ines Grunow aus unserer Nachrichtenredaktion gesprochen.

Weihnachtszeit ist Streikzeit

Amazon bemüht sich um Beruhigung und teilt mit, dass die Kunden sich keine Sorgen um die pünktliche Auslieferung von Geschenke machen müssen. 2017 legte bei vergleichbaren Aktionen nur ein Fünftel der Amazon-Mitarbeiter in Deutschland die Arbeit nieder. Zuvor hatte Verdi bereits zum Black Friday im November zu Streiks aufgerufen. Die Auswirkungen sind bisher für die Kunden kaum spürbar.

"In den letzten Jahren hat es wegen der Streiks kaum verspätete Pakete oder andere Auswirkungen gegeben."
Ines Grunow, Deuschlandfunk Nova Nachrichtenredaktion

Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert hierzulande bereits seit 2013 an. Verdi fordert für die Mitarbeiter in den deutschen Amazon-Versandzentren tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. 

Amazon nimmt indes Vereinbarungen der Logistikbranche als Maßstab. Dort wird deutlich weniger bezahlt. Das verdeutlicht das Beispiel Weihnachtsgeld; in der Logistikbranche sind es 400 bis 600 Euro, im Versandhandel beläuft es sich auf 1400 Euro.

"Verdi fordert von dem Onlinehändler seine Mitarbeiter nach Tarif für den Einzelhandel zu bezahlen. Das lehnt Amazon ab."
Ines Grunow, Deutschlandfunk Nova Nachrichtenredaktion

Die Gewerkschaft hat dem Konzern immer wieder Zeit gelassen habe, auf ihre Forderung nach Tarifverhandlungen zu reagieren. Es ist durchaus möglich, dass es auch an anderen Standorten zu Ausständen kommt. Davon hat Amazon in Deutschland 11 Stück mit insgesamt etwa 16.000 Mitarbeitern.

Verdi geht es bei dem Streik auch um zunehmend auch Arbeitsverdichtung, also um den Druck, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu schaffen. Das US-Unternehmen hält sich auch ohne Tarifvertrag für einen verantwortungsvollen Arbeitgeber. Der Konzern, dessen Seite amazon.de von Luxemburg aus betrieben wird, setzte im Jahr 2017 rund 8,8 Milliarden Euro in Deutschland um und dominiert den Onlinehandel in Deutschland. Otto ist der nächste Konkurrent – mit knapp 3 Milliarden Umsatz.

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