Angefangen hat alles mit Büchern. Heute ist der Konzern mit fast neun Milliarden Euro Umsatz an der Spitze der deutschen Onlinehändler. Seit 20 Jahren ist Amazon auf dem deutschen Markt.

1998 hatte Amazon.de 700.000 deutsche und englische Bücher im Angebot. Der Onlinehandel-Pionier verschickte den Lesestoff von einem einzigen Standort in Regensburg. Das allererste verkaufte Buch, erinnert heise.de, war das englische Software-Lehrbuch "Mastering Simulink 2". Kostenloser Versand, kaum Wartezeit und Rückgabegarantie. Der Konzern lieferte seinen potenziellen Neukunden gleich mehrere Gründe, den neuen Service auszuprobieren. 

"Die Bücher wurden kostenlos versandt und schnell geliefert. Und es gab eine dreißigtägige Rückgabegarantie."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

In den Anfangszeiten war das ein Verlustgeschäft. Die Kommentare der deutschen Medien waren entsprechend hämisch. Dass Amazon in ein paar Jahren zum riesigen Problem für den stationären Buchhandel werden würde, ahnten damals nur wenige. 1998 waren gerade mal zehn Prozent der Deutschen online.

Amazon macht Bezos reich

Damals hatte Amazon in seiner Regensburger Deutschland-Zentrale nur ein paar Dutzend Mitarbeiter. Heute sind es in Deutschland 16.000 Festangestellte an 30 Standorten. 2.000 davon arbeiten unter den teilweise prekären Bedingungen in 30 Logistikzentren.

Jeff Bezos, Eigentümer von Amazon und der reichste Mensch der Welt, versteht es wie kaum ein Zweiter, die Betriebskosten zu minimieren sowie seinem Imperium immer neue Märkte einzuverleiben, sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte.

Im Jahr 2018 umfasst die Angebotspalette von Amazon Deutschland 300 Millionen Produkte. Sogar Lebensmittel gibt es in drei deutschen Großstädten.

"Berliner, Hamburger und Münchener können sich von Amazon frische Lebensmittel liefern lassen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Amazon verkauft aber schon lange nicht mehr nur die Produkte anderer Hersteller, sondern entwickelt inzwischen auch selbst welche. Ein Beispiel ist der Smart Speaker "Amazon Echo", den es in den USA seit Juni 2015, in Deutschland seit Oktober 2016 gibt. Über die "Amazon Marketplaces" bietet der Konzern vielen kleineren Händlern eine gigantische Verkaufsplattform.

Amazon will auch beim stationären Handel mitmischen

Trotzdem werden in Deutschland immer noch der Großteil der Umsätze über den stationären Handel erzielt. Amazon möchte auch von diesem Kuchen etwas abhaben. Vor allem der Lebensmittelhandel scheint für den Giganten hier interessant zu sein. In den USA hat Jeff Bezos bereits den Ökohändler Whole Foods gekauft.

"Wenn nicht irgendwann das Kartellamt den Konzern stoppt, wird Amazon wahrscheinlich den kompletten Welthandel aufsaugen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

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