Die Ameisenart Formica fuscocinerea hat die Spielplätze und das Stadtgebiet von München fest im Griff. Die Ausrottung der Kolonien ist ein nahezu aussichtloses Unterfangen. Und der Mensch hilft fleißig mit, diese spezielle Ameise im Rest Europas zu verbreiten.

Der kleinen, unscheinbaren Ameise scheint ein immerwährender Horror inne zu wohnen. Das bestätigt schon der Film "Formicula" von 1954, der radioaktiv verstrahlte Riesenameisen und panische Menschen auf der Flucht über die Leinwand jagt.

Unterirdische Königinnen

Und auch, wenn es sich nur um einen Film handelt. Das Problem zur Bekämpfung der cineastischen Ameisenplage ist zurzeit in Oberbayern sehr real: Dort hausen Ameisenköniginnen in unterirdischen Nestern. Ihre Arbeiterinnen sind auch oberirdisch unterwegs. Hier holen sie Futter und Baumaterial. Und sind damit die reinste Plage.

"Man hat es mit tausenden von Königinnen zu tun und mit Milliarden von Arbeiterinnen.“
Mario Ludwig, DRadio-Wissen-Tierexperte

Die sechs Millimeter große Formica fuscocinerea ist eigentlich in den Alpen beheimatet, fühlt sich aber auch in sandigem Stadtgebiet wie Kinderspielplätzen sehr wohl. So sehr, dass immer wieder Sandkästen oder ganze städtische Spielplätze in Oberbayern wegen Ameisenbekämpfung geschlossen werden müssen. Die dabei verwendeten Chemikalien, vernichten aber nur die Arbeiterinnen des Ameisenstaates und nicht die Königinnen tief in der Erde.

Die Familie hält zusammen

Die Königinnen von Formica fuscocinerea sind genetisch alle eng miteinander verwandt. Deswegen erkennen sich die Ameisen an ihrer ähnlichen, chemischen Duftsignatur und unterlassen alle Angriffe auf benachbarte Kolonien. In der Folge bilden sich gigantische Superkolonien, die mehrere tausend Kilometer umfassen können.

"Eine Superkolonie erstreckt sich über 6000 Kilometer. Von Spanien bis Italien."
Mario Ludwig, DRadio Wissen-Tierexperte

Es ist unmöglich, die Superkolonien wieder vollständig auszurotten. Der einzige Weg, den Schaden zu begrenzen, besteht darin, die Verbreitung der Ameise zu verhindern. Zurzeit mit wenig Erfolg, denn zusammen mit Kies aus den Alpen für den Bau des Uni-Campus, wurde Formica fuscocinerea nach Tübingen eingeschleppt. Wahrscheinlich müssen wir eingewanderte Ameisen in Zukunft akzeptieren und nicht nur als Bedrohung sehen, sondern als ein Faszinosum der Natur.

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