Andrea Nahles soll die nächste SPD-Vorsitzende werden. Sie hat viele Fans und eine ganze Menge Gegner.

Bevor die SPD in die Koalitionsverhandlungen mit der CSU/CDU ging, gab es den Sonderparteitag der Sozialdemokraten in Bonn. Wer hielt die Rede, die die Mitglieder begeisterte? Der Parteivorsitzende Martin Schulz? Nein, Andrea Nahles war es.

Sie ist die Fraktionsvorsitzende der SPD im deutschen Bundestag. Die Sozialdemokraten haben große Probleme. Inzwischen liegt die Partei bei Umfragen nur noch bei 17 Prozent der Stimmen. Diesen Wert hat das Meinungsforschungsinstitut Insa am 5. Februar ermittelt.

"Wer die Rede von Martin Schulz da gehört hat. Ich war entsetzt, dass er die Partei nicht erreicht hat. Dann redet Andrea Nahles und die Hütte kocht."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Die Entscheidung, dass Andrea Nahles nun Parteivorsitzende werden soll, sei in der Partei unglücklich kommuniziert worden. So ordnet Nadine Linder, Korrespondentin im Hauptstadtstudio, die Personalveränderung ein. Manche SPD-Mitglieder hätten die Nachricht erst aus den Medien erfahren.

Für Nadine Lindner hat Andrea Nahles Auftreten und Persönlichkeit zwei Seiten: Sie wirke entschlossen und könne Argumente gut entwickeln und miteinander verknüpfen.

Sie spricht auch Schulhof-Slang

Andererseits wähle die Spitzenpolitikerin bei ihren in Reden immer wieder eine Sprache, die unpassend und unsachlich sei. Für Nadine Lindner ist das Schulhof-Slang. Das bekannteste Beispiel: "Aber ab morgen kriegen sie in die Fresse". Das sagte Andrea Nahles nach ihrer Wahl zur Fraktionsvorsitzenden im September 2017.

Das ist jedenfalls ein Bruch mit dem sonst üblichen Tonfall unter deutschen Politikern. Nadine Lindner findet, dass Andrea Nahles damit der beliebten Forderung nach Authentizität in der Sprache von Politikern nachkommt.

"Sie sagt, sie will Fraktionsvorsitzende für alle Flügel sein. Ich habe das Gefühl, das haben ihr einige aus dem linken Flügel verübelt."
Nadine Lindner, Korrespondentin im Hauptstadtstudio

Andrea Nahles kann also klar sagen, was sie möchte. Gerhard Schröder nannte sie die "Abrissbirne sozialdemokratischer Programmatik." Wofür steht die Politikerin denn? 

Sie hat als Arbeitsministerin den gesetzlichen Mindestlohn eingeführt. Andrea Nahles kommt aus dem linken Flügel der SPD. Seit Januar 2018 ruht ihre Mitgliedschaft in diesem Teil der Partei. Ihre aktuellen Ziele: Umsetzung des Koalitionsvertrags und die Erneuerung der SPD.

Dafür ist sie bestens gerüstet. Nadine Lindner schätzt die Politikerin als ausgezeichnet vernetzt ein. Sie treffe den richtigen Ton für alle Ebenen der Partei - vom Ortsvereinsvorsitzenden bis zum Bundestagsabgeordneten.

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