Andrew Seiss ist einmal zu Fuß um die Welt gegangen. Manchmal verlor er die Lust, doch er stand einfach jeden Tag auf und ging weiter. Drei Jahre lang.

Was ein Marsch. Der US-Amerikaner Andrew Seiss ist drei Jahre lang zu Fuß um die Welt gelaufen, hat 38.000 Kilometer zurückgelegt, 24 Ländern durchquert, neun Paar Schuhe verschlissen, sich als Straßenmusiker ein bisschen was dazuverdient. Seine Route war mehr oder weniger vorbestimmt: Er hat die Länder genommen, die einigermaßen in den Plan passten und für die er ein Visum erhalten hat. Iran war für ihn als Amerikaner tabu.

"Es war wie ein Job. Jeden Tag aufstehen, weiterlaufen, auch wenn man keine Lust hatte."
Andrew Seiss

Andrew hat schon einige Abenteuer hinter sich. Die Idee einmal um die Welt zu laufen hatte er, als er von Minnesota nach Argentinien geradelt ist. Irgendwo unterwegs trifft er auf einen Wanderer, der sagt: "Hey, es gibt da ein Buch über einen Typen aus Minnesota, der auch mal um die Welt gelaufen ist." Andrew hatte noch nie davon gehört und war fasziniert. Damals dachte er nicht, dass er das jemals machen würde, aber die Idee ließ ihn nicht los. Und dann lief er los.

Jeden Tag laufen. Bis zu 16 Stunden am Tag. Bis zu 70 Kilometer. Für Andrew war das irgendwann wie ein Job. Jeden Tag aufstehen, weiterlaufen, auch wenn er keine Lust hatte.

Acht Tage keine Menschenseele

Noch weniger Lust hatte er, wenn das Wetter nicht mitspielt. Manchmal hat Andrew aus lauter Verzweiflung gebetet, dass es aufhören soll zu regnen oder dass der Wind nachlässt oder dass es wärmer wird. Er hatte keinen Kocher dabei, nahm in der Regel keine warmen Mahlzeiten zu sich, ernährte sich von Brot, Trockenfrüchten und Nüssen.

Und dann war da noch seine größte Herausforderung: Die Einsamkeit. In Alaska hat Andrew acht Tage lang keinen Menschen gesehen, geschweige denn einen Supermarkt. Deshalb waren für ihn die schönsten Momente die, in denen er von Freunden begleitet wurde.