Eine Grippe ist eine Krankheit, eine Depression und Diabetes ebenfalls. Aber wie sieht es mit Spielsucht aus? Oder mit Burn-out? Seit dem 20. Mai sitzen in Genf Vertreter von fast 200 Staaten bei der Weltgesundheitsversammlung zusammen und diskutieren solche Fragen. Und sie haben beschlossen, dass ein paar neue Krankheiten offiziell anerkannt werden.

Burn-out gehört nicht dazu, aber dieses Phänomen, dass durchaus mit unserer Gesundheit in Zusammenhang steht, wurde etwas genauer definiert und an anderer Stelle im internationalen Katalog der anerkannten Krankheiten eingeordnet. In dem Katalog sind Krankheiten aufgelistet, aber auch Störungen, wie zum Beispiel Essstörungen. Außerdem gibt es eine Kategorie für Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen – damit sind aber keine Krankheiten gemeint. In der Rubrik findet sich unter anderem Obdachlosigkeit, Gewalt in der Beziehung und seit heute auch Burn-out. Das stand schon in der vorherigen Version des WHO-Katalogs, aber an einer anderen Stelle.

Darüber hinaus haben die Gesundheitsexperten der WHO die Definition von Burn-out konkretisiert. Es wird von nun an konkret mit Problemen im Job in Verbindung gebracht. Verursacht durch chronischen Stress am Arbeitsplatz. Wegen Problemen in der Familie kann man also keinen Burn-out kriegen, laut Definition der WHO.

In dem Katalog der international anerkannten Krankheiten (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. Kurz: ICD) sind rund 55.000 Krankheiten und andere Zustände verzeichnet, jeweils mit einem eigenen Code. Es ist also eine Art Handbuch, damit alle Länder auf einem gleichem Stand sind, was Krankheitsbilder und Diagnosen angeht. Die WHO hat sich deswegen auch zum Ziel gesetzt, regelmäßig auf die aktuelle Forschung zu schauen, mit der Frage, ob in dem Katalog etwas geändert werden muss oder nicht.

Sexsucht und Spielsucht sind neu im Katalog

Andere Neuerungen sind zum Beispiel, dass jetzt Sexsucht als Störung in den Katalog aufgenommen wurde. Und auch Gaming Disorder – also Online- oder Videospielsucht – ist neu.

Die Definition ist bei beiden Störungen ähnlich: Betroffene können ihren Drang nicht mehr kontrollieren, vernachlässigen andere Dinge im Leben, waschen sich zum Beispiel nicht mehr und darunter leiden dann auch andere Bereiche des Lebens wie Job und Familie.

Transpersonen gelten nicht mehr als gestört

Eine andere Störung wurde wiederum aus dem Katalog entfernt: Bisher wurde man als Transperson oder Transvestit automatisch bei den psychischen und Verhaltensstörungen einsortiert. Nach viel Protest läuft beides von jetzt an unter Gender-Nichtübereinstimmung – ist also etwas neutraler. Intersexualität bleibt jedoch weiter in der Kategorie der Störungen.