Keine Lust, zur Arbeit zu gehen – das kennt wohl jeder. Aber irgendwie gehen wir dann doch. Wir brauchen schließlich das Geld. Aber das alleine reicht nicht aus, um uns jeden Tag zu motivieren. Anerkennung ist viel wichtiger, sagt der Wirtschaftspsychologe Theo Wehner.

Wir arbeiten, um unser Leben zu finanzieren – Essen, Miete, Krankenversicherung, Kleidung, Urlaube. Das sollte ja eigentlich reichen, um uns jeden Tag zu motivieren, zur Arbeit zu gehen. Ist es aber nicht, sagt der Wirtschaftspsychologe Theo Wehner. Status, Anerkennung, Wertschätzung, das bekommen wir zwar oft auch von Freunden oder vom Partner. "Aber wir erhalten sehr viel davon durch das, was wir tun, und zwar durch das tätig sein durch die Arbeit." Und das ist wichtiger als das Geld.

Nicht Geld allein sorgt für Zufriedenheit

Eine US-Studie habe herausgefunden, dass mehr Anerkennung auch mehr Arbeitszufriedenheit stifte. Mehr Geld tue das nicht immer, so Theo Wehner. "Und gerade mit dem Geld gibt es eine Grenze. Mit der Anerkennung so gut wie nicht." Das heißt, immer mehr Geld führt nicht dazu, dass wir immer motivierter sind im Job. Je mehr Anerkennung wir durch die Arbeit erfahren, desto motivierter sind wir auch.

"Ganz deutlich demotivierend ist eben nicht nur fehlende Anerkennung, sondern demotivierend sind Konflikte zwischen Kollegen, aber auch zwischen Vorgesetzten."

Fehlende Anerkennung sorge dafür, dass wir eher demotiviert zur Arbeit gehen. Und Chefs seien häufig nicht gerade gut darin, ihre Mitarbeiter anerkennend zu motivieren, sagt Theo Wehner. Häufig schaffen sie es gerade so, ihre Mitarbeiter nicht zu demotivieren.

Dass wir viel Anerkennung durch die Arbeit brauchen, findet Theo Wehner nicht problematisch. Start-Ups, die ihre Mitarbeiter mit Hängematten, teuren Kaffeemaschinen, Kickertisch locken wollen, können durchaus motivieren, findet Theo Wehner. Vorgesetzte müssen eben zusammen mit ihren Mitarbeitern herausfinden, was gut tue.

"Partizipation nennen wir das und die gehört genauso an den Arbeitsplatz, wie sie an den Küchentisch gehört, genauso wie sie in die Gesellschaft gehört."
Theo Wehner, Wirtschaftspsychologe

Indem wir darüber nachdenken, was wir den ganzen Tag tun und für wen das nützlich ist, können wir uns selbst motivieren, meint Theo Wehner. Aus arbeitspsychologischer Sicht gebe es momentan viel Kritik an den aktuellen Arbeitsbedingungen: "Manche sind stupide, sind langweilig, sie haben keine Möglichkeiten zum sozialen Austausch."

"Wenn die Kollegialität, wenn der Umgang mit den Vorgesetzten, wenn der Ruf des Unternehmens gut ist, dann ist auch an einem Fließband Sinnerfüllung möglich."
Theo Wehner, Wirtschaftspsychologe

Selbstverwirklichung

Was uns neben der Anerkennung und dem Geld noch motiviere, sei der Sinn und die Selbstverwirklichung. Die im Job zu suchen, sei allerdings relativ neu. "Vor 30 Jahren hätte eigentlich nie jemand so deutlich von seiner Arbeit erwartet, dass sie auch Selbstverwirklichungsbeitrag haben möge." Theo Wehner sieht diese Entwicklung positiv. Mehr Selbstverwirklichung könne zur Humanisierung und zum sozialen Zusammenleben an Arbeitsplätzen sehr viel beitragen.