Auf dem Rügendamm ist die Hölle los: Angler tummeln sich dort, um Heringe zu fangen - und werden dabei zu einer Gefahr für ihre Mitmenschen. Doch es gibt eine Lösung. Für 174.000 Euro.

Im April und im Mai schwärmen und drängen sich Hunderte Angler und Angeltouristen auf dem Rügendamm in Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Ziel: Die riesigen Heringsschwärme, die zum Ablaichen flachere Küsten und Boddengewässer suchen. Doch die Angelleidenschaft ist nicht nur gefährlich für die Heringe, sondern auch für Fußgänger, Autos und Fahrradfahrer auf der nahen Rügenbrücke - und die ist immerhin 60 Meter höher als der Rügendamm.

"Immer mehr Angler neigen dazu, extrem weit auszuholen. Frei nach dem Motto: Wer hat die Längste?"
Silke Hasselmann, Deutschlandfunk Nova

Mit weit ausholendem Auswerfen der Angel wollen die Fischer den Haken ins Wasser befördern - und treffen dabei immer wieder mal mit ihren fünfhakigen Paternostern mit schweren Bleigewichten die Passanten und Fahrzeuge hinter sich. Die Unfälle ließen die Verwaltung handeln: Das Verkehrsministerium zeigte Strenge und untersagte 2017 jedwede Angelaktivität auf dem Rügendamm. Doch 2018 ist dieses Verbot schon wieder aufgehoben.

Das Angeln ist nicht erlaubt, aber geduldet

Eigentlich ist das Angeln auf dem Rügendamm sowieso nicht erlaubt. "Das Angeln auf der Straße oder dem Gehweg ist nicht erlaubt, ich brauche eigentlich eine Sondernutzungserlaubnis", sagt Verkehrsminister Christian Pegel, "die hat vermutlich keiner dort, zumindest kennen wir keine". Aber man lässt die Angler halt machen.

"Bisher haben wir beide Augen zugedrückt, weil es ein Stück Kulturidentität in Vorpommern ist."
Christian Pegel, Verkehrsminister

Das Ziel des Verkehrsministeriums: Das weite und gefährliche Ausholen der Angeln soll verhindert werden. Die Lösung: Auf der kompletten Länge des Rügendamms ist in Höhe von 2,10 Metern eine Aluminiumstange installiert worden. "Das sieht aus wie eine zu üppig gewordene Teppichklopfstange", sagt Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Silke Hasselmann. Und die ist nicht nur üppig geraten, sondern auch teuer: 174.000 Euro kostet die Auswurfsperre.

"Jetzt hofft die Verwaltung inständig, dass die Angler nicht versuchen quer, also seitlich, mit großem Schwung ausholen."
Silke Hasselmann, Deutschlandfunk Nova

Gerade erst beginnt die Saison, wegen der Kälte halten sich die Heringe allerdings noch zurück. Aber bald dürften die Fische wieder massenhaft aus dem Wasser gezogen werden. Auch wenn die Angler nicht mehr so weit ausholen und Fahrradfahrer von ihren Rädern holen können.