Der Arzt verschreibt eine App, die Krankenkasse zahlt - das sieht ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung vor. Demnach soll es mehr digitale Angebote für Smartphones und verstärkt Videosprechstunden geben. Die Kosten dafür sollen die Krankenkassen übernehmen. Bei einer Anhörung im Bundestag äußern Experten Kritik an dem Vorhaben.

Die Digitalisierung in der medizinischen Versorgung bezeichneten die Sachverständigen bei einer Anhörung im Bundestag gestern als Fortschritt. Gleichzeitig sprachen sich viele aber gegen den Plan der Bundesregierung aus, Gesundheits-Anwendungen auf mobilen Endgeräten zu einer Kassenleistung zu machen.

Peter Haas, Professor für Medizininformatik an der Fachhochschule Dortmund, sagte, es bringe nichts, „mit der Gießkanne Apps über das Gesundheitswesen zu verteilen“.

Gefahren von Gesundheits-Apps

Große Probleme könnten so nicht gelöst werden, sagte Haas. Manche Experten warnten gar vor gesundheitlichen Risiken. Bei falscher Anwendung könnten die Apps den Patienten mehr schaden als nutzen, etwa wenn die falsche Insulindosis für Diabetiker angezeigt werde. Außerdem bleibe es schwierig, die Wirksamkeit einer App nachzuweisen.

"Eigentlich soll es ja eine Kostenübernahme durch die Kassen wie auch bei Medikamenten nur dann geben, wenn die Wirksamkeit nachgewiesen ist."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Laut Gesetzentwurf soll die Gesetzliche Krankenkasse (GKV) die Kosten zunächst für ein Jahr übernehmen. Danach soll noch einmal genauer geschaut werden, ob die jeweilige App "positive Versorgungseffekte" gebracht hat. Für Doris Pfeiffer vom GKV-Spitzenverband sind die Anforderungen aber noch "völlig unbestimmt".

Der Kryptologe Dominique Schröder von der Universität Erlangen-Nürnberg und Elke Steven vom Verein Digitale Gesellschaft waren sich einig, dass der Datenschutz nicht ausreichend gewährleistet werde. Die Nutzer laufen Gefahr, dass ihre Daten weitergegeben würden. Die Zweifel sind begründet, denn erste Fälle von Datenmissbrauch sind schon jetzt bekannt, wie etwa bei der sehr beliebten Diagnose-Chat-App Ada. Die Zeitung c't hat aufgedeckt, dass die App Nutzerinformationen ohne Genehmigung der User ins Ausland übermittelt.

Gesundheits-Apps sind nicht Neues

Schon heute bieten App-Stores ein breites Angebot an Gesundheits-Apps zum Download an. Beispielsweise gibt es Anwendungen für Diabetiker, die beim Blutzuckermessen und Insulinspritzen assistieren. Auch bei psychischen Erkrankungen werden Apps bereits als therapeutische Maßnahme eingesetzt. Bisher müssen Patienten die Kosten selbst tragen. Das könnte sich 2020 ändern, wenn das Gesetz der Bundesregierung in Kraft treten könnte. Es muss noch vom Bundestag abgesegnet werden.