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Nur weil man sein Haustier liebt, wird man ihm nicht automatisch gerecht. Vor allem Animal Hoarder könnten Haustiere nicht ausreichend versorgen, meint Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer. Dabei sei die Grenze zwischen Tierliebe und psychischer Störung fließend.

Nein, Tiere sind keine Menschen. Trotzdem behandeln nicht wenige Tierbesitzer*innen in Deutschland ihre Tiere so. Da schläft der Hund auf dem Sofa, die Katze wird frisiert oder die Meerschweinchen laufen köttelnd über den Teppich. Autoren wie Achim Gruber kritisieren diese Art der Tierhaltung ganz kategorisch. Am Ende sollte aber immer die Frage nach dem Tierwohl entscheidend sein, meint Psychologin Anke Glaßmeyer.

Tierwohl ist entscheidend, nicht die "Liebe" des Menschen

Genau das sei bei Animal Hoardern definitiv nicht gewährleistet. Den Übergang zwischen ausgeprägter Tierliebe und einer psychischen Störung, wie etwa das krankhafte Sammeln von Tieren, beschreibt die Psychotherapeutin als fließend. Vor allem sei für die Diagnose einer psychischen Störung nicht die Anzahl der Tiere ausschlaggebend, sondern wie es den Tieren in Bezug auf Ernährung, Hygiene, Unterbringung und tierärztliche Versorgung gehe.

"Animal Hoarder vernachlässigen nicht nur ihre Tiere, sondern häufig auch sich selbst."
Anke Glaßmeyer, Psychotherapeutin

Die mangelnde Versorgung der Tiere geschehe jedoch nicht bewusst, erklärt Anke Glaßmeyer. Vielmehr würden Betroffene das Bedürfnis der Tiere nicht als solches wahrnehmen. Zudem leiden Menschen, die Tiere horten, häufig am Messie-Syndrom. Der wesentliche Unterschied sei aber, so Anke Glaßmeyer, dass das Dingen nichts ausmache, bei Lebewesen aber deren Gesundheit und Wohlergehen in Gefahr sei. Daher müsse der Tierschutz in solchen Fällen unbedingt handeln.

"Häufig wird Animal Hoarding durch einen Schicksalsschlag ausgelöst, wie zum Beispiel Tod, Trennung, Krankheit oder Jobverlust."
Anke Glaßmeyer, Psychotherapeutin

Die Gründe, warum jemand krankhaft Tiere sammelt, seien tiefgehend, erklärt Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer. Oft könnten Betroffene keine guten Beziehungen zu Erwachsenen aufbauen können, weil sie zum Beispiel in der Kindheit traumatische Erfahrungen mit Gewalt oder Missbrauch gemacht haben. Tiere dienten dann als eine Art Ersatzbeziehung und als Mittel gegen Einsamkeit.

Betroffene suchen selten Hilfe

Obwohl das krankhafte Sammeln von Haustieren laut Tierschutzbund zunimmt, gibt es bis heute keine spezielle Therapie für Betroffene, so Anke Glaßmeyer. Zum einen gebe es auch wenige Therapeut*innen, die sich damit auskennen. Zum anderen lehnten Betroffene professionelle Unterstützung häufig ab. Ein Weg aus dieser psychischen Störung sei einzusehen, dass nicht die vermeintliche Tierliebe problematisch ist, sondern, dass dahinterliegende Verletzungen und Traumata ein funktionales Leben und damit gesunde Beziehungen verhindern.