Der 13. Dezember 1919: die Geburtsstunde der Arbeiterwohlfahrt - einem der ältesten Wohlfahrtsverbände in Deutschland. Marie Juchacz, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin, gibt den Anstoß zur Gründung der Organisation.

Gut ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Die Frauenrechtlerin Marie Juchacz kann ihre Genossen in der Führung der SPD davon überzeugen, einen "Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD" ins Leben zu rufen. Unter dem Eindruck der politischen und sozialen Folgen des Krieges und der Bestimmungen des Versailler Vertrags soll das Leben der Arbeiterfamilien erleichtert werden. Eine Arbeiterwohlfahrt als Selbsthilfe der Arbeiterschaft, so beschreibt Reichspräsident Friedrich Ebert die neu entstandene SPD-Gruppierung.

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Im Zuge der sogenannten "Gleichschaltung" durch das NS-Regime wird die Arbeit der AWO im Mai 1933 beendet, ihr Vermögen eingezogen und dem "NSDAP-Amt für Volkswohlfahrt" zugeschlagen. Die meisten Funktionäre müssen fliehen. Marie Juchacz emigriert zunächst ins französisch verwaltete Saarland, dann nach Südfrankreich und Anfang der 40er Jahre schließlich in die USA. Von dort kehrt sie 1949 in die Bundesrepublik zurück und wird Ehrenvorsitzende der wiedergegründeten AWO. Heute hat die Arbeiterwohlfahrt rund 333.000 Mitglieder, 212.000 Mitarbeiter, 66.000 ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter und unterhält rund 18.000 soziale Einrichtungen.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Die Kulturanthropologin Lydia Struck hat ein Buch über ihre Urgroßtante Marie Juchacz geschrieben und beschreibt den Werdegang der AWO-Gründerin.
  • Der Historiker Philipp Kufferath von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat sich zum 100. Geburtstag mit der Geschichte und dem Wirken der AWO beschäftigt.
  • Der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder erläutert Ausmaß und Struktur des deutschen Wohlfahrts- und Sozialstaats.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über die soziale Lage, in der sich viele Arbeiterfamilien nach dem Ende des Ersten Weltkriegs befanden.