Annalena Baerbock soll neue Außenministerin werden. Und auch die Außenpolitik wird sich ändern. Sie soll feministischer werden und auch "wertebasiert", heißt es im Koalitionsvertrag. Die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook glaubt, dass Baerbock einen guten Job machen wird.

Cathryn Clüver Ashbrook ist davon überzeugt, dass Annalena Baerbock eine hervorragend vorbereitete Außenministerin sein wird. "Denn anders als andere Außenminister vor ihr, weiß sie, was sie nicht weiß."

Neuen Außenpolitik: feministischer und wertebasiert

Cathryn Clüver Ashbrook ist Politikwissenschaftlerin und Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Mit einer Frau an der Spitze des Außenministeriums komme Deutschland dem Trend nach, der in Nordeuropa schon deutlicher ist. "Da gibt es weibliche Außen- und Verteidigungsministerinnen, auch weibliche Premierministerinnen", sagt Cathryn Clüver Ashbrook.

"Insgesamt geht eine weibliche Außenministerin mit der Zeit."
Cathryn Clüver Ashbrook, Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

Mit Annalena Baerbock soll die Außenpolitik feministischer werden. "Das ist erstmal eine Politik der Gleichberechtigung", sagt Cathryn Ashbrook. In Konflikten bedeute das zum Beispiel, dass bei der Suche nach Lösungen alle Beteiligten in Verhandlungen eingebunden werden – unabhängig von Geschlecht und/oder Perspektiven.

Es gehe aber auch um die Frage, wie Deutschland, wenn es sich in einem Konflikt engagiert, auch wieder aus der Situation herauskommen kann, so Cathryn Clüver Ashbrook. Also, wie kann ein nachhaltiges Engagement aussehen? Hierfür ist Afghanistan ein Beispiel.

"Bei feministischer Außenpolitik geht es auch darum: Wie kommt man aus einem Konflikt wieder raus?"
Cathryn Clüver Ashbrook, Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

Auch soll die Außenpolitik wertebasiert sein. Das wird im Koalitionsvertrag (zu finden unter anderem auf der Seite der SPD) ausdrücklich festgehalten. Damit sollen gemeinsame Werte stärker in den Fokus rücken statt wirtschaftlicher Interessen. Die FDP als Koalitionspartner trägt diese neue Ausrichtung mit, obwohl die Partei wirtschaftsnah ist. "Ich glaube, die FDP schaut ganz aufgeklärt in die Welt", sagt Cathryn Clüver Ashbrook.

Ausgleich zwischen Wirtschaft und Werten

Im Koalitionsvertrag steht zum Beispiel, dass China ein Partner ist, aber auch ein systemischer Rivale, so Cathryn Clüver Ashbrook. "Es wird ein Ausgleich geben müssen: zwischen den Wirtschaftsinteressen, die Deutschland in und mit China hat." Aber dass auch deutlich ist, dass es zwischen Deutschland und China eine Austauschbeziehung gibt. "Es ist noch keine vollständige Abhängigkeitsbeziehung", sagt Cathryn Clüver Ashbrook. Deutschland könne Einfluss nehmen. Wenn es um Minderheiten in China geht, aber ebenso im Bezug auf Hongkong und auch Taiwan.