Anne Royall war eine der ersten Journalistinnen in den USA, so steht es auf ihrem Grabstein. Und um ihr Ziel zu erreichen, war sie zu fast allem bereit: Selbst dem Präsidenten der Vereinigten Staaten beim Nacktbaden aufzulauern.

Anne Royall kam 1769 zur Welt - als Kind einfacher Eltern. Bevor sie den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika beim Nacktbaden überraschte, war sie 15 Jahre mit William Royall verheiratet. Der war fast doppelt so alt wie Anne und starb nach 15 Jahren Ehe. Laut Testament hatte er seiner Witwe ein kleines Vermögen hinterlassen. Leider war der Rest der Familie Royall nicht damit einverstanden. Sie fochten das Testament an - und Anne ging so gut wie leer aus.

Anne zieht nach Washington

Das hielt sie nicht davon ab, auf Reisen zu gehen und anschließend nach Washington zu ziehen: Annes verstorbener Mann hatte im Unabhängigkeitskrieg gekämpft und Anne hoffte auf eine staatliche Rente für Witwen von Kriegsveteranen. Um an das Geld zu kommen, musste damals jede Witwe eines Soldaten persönlich vor dem Kongress vorsprechen. Anne empfand das als ungerecht. Sie forderte ein neues Gesetz zur Hinterbliebenenrente für Witwen von Kriegsveteranen.

"An dieser Stelle sollten wir noch einmal kurz darüber nachdenken, dass in dieser Zeit Frauen eigentlich nichts zu melden haben."
DRadio-Wissen-Autorin Vera Pache über die Rolle von Frauen im 19 Jahrhundert

Anne gibt nicht auf

Ein Kupferstich von William Strickland (1787-1854) zeigt das Weisse Haus in Washington nach der Feuersbrunst am 24. August 1814. Der Stich befindet sich im Besitz der Library of Congress.
© dpa
So es rund um das Weiße Haus aus, als Präsident John Quincy dort nackt badete.

Und weil Anne nicht einfach so aufgeben wollte, nahm sie sich vor, mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten über ihr Anliegen zu sprechen. Das war damals John Quincy Adams, der 6. Präsident der USA. Als Frau bekam sie natürlich nicht so einfach einen Termin bei John Quincy Adams. Also suchte Anne den Präsidenten einfach selbst auf - und zwar an seiner Lieblingsbadestelle an einem Fluss hinter dem Weißen Haus. Dort ging der Präsident jeden Morgen nackt baden. Anne folgte ihm, wartete, bis er ausgezogen und im Wasser war. Dann setzte sie sich auf den Stein, auf dem er seine Klamotten abgelegt hatte.

Als der Präsident aus dem Wasser steigen wollte, sah er da diese Frau sitzen und erschrak. Anne Royall blieb hartnäckig. Sie würde erst gehen, wenn er ihr zugehört hätte.

"Ich habe gelesen, der Präsident hat ungefähr eine Stunde im Wasser ausgeharrt, nur der Kopf schaut aus dem Wasser und so haben die beiden dann diskutiert."
DRadio-Wissen-Autorin Vera Pache über das Gespräch zwischen Anne Royall und John Quincy Adams

Ob die Geschichte genau so stattgefunden hat oder nicht, lässt sich heute nicht mehr eindeutig belegen. Was aber sicher ist:

  • Anne Royall hatte Kontakt zu dem Präsidenten John Quincy Adams
  • Und der Präsident hat später tatsächlich Anne Royalls Anliegen mit der Rente für Witwen von Kriegsveteranen unterstützt