Sie sind eine der erfolgreichsten deutschen Bands der vergangenen Jahre: AnnenMayKantereit. Jetzt erscheint ihr neues Album. Trotzdem ist die Stimmung der Band beim Besuch im Deutschlandfunk-Nova-Studio gedrückt. Der Grund: das Ende des Flüchtlingsrettungsschiffs Aquarius im Mittelmeer, das AnnenMayKantereit finanziell unterstützt haben. Ein Gespräch, in dem es um mehr als Musik geht. 

Das Rettungsschiff Aquarius hat etwa 30.000 Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet. Gestern kam die Nachricht, dass das Flüchtlingsrettungsschiff seine Mission einstellt. Seit Februar 2016 war es im Einsatz – ermöglicht wurde die Arbeit der Besatzung an Bord vor allem durch Spendengelder. 

Aus für die Aquarius tut weh

Die deutsche Band AnnenMayKantereit gehört neben vielen anderen Bands und Künstlern zu den Unterstützern der Organisation. Im Sommer posteten die Kölner einen Spendenaufruf auf ihrer Instagram-Seite, um Geld für die Seenotrettung im Mittelmeer zu sammeln.

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Einen Tag nach der Nachricht vom Ende der Aquarius sind Gitarrist Christopher Annen und Bassist Malte Huck im Interview mit Deutschlandfunk-Nova-Moderator Markus Dichmann spürbar betroffen.

"Das ist eine richtig schlechte Nachricht für ganz viele Menschen, die aus der Not heraus eine Flucht antreten, die lebensgefährlich ist, und die bisher von Schiffen wie der Aquarius gerettet wurden."
Christopher Annen, Gitarrist der Band AnnenMayKantereit über das Ende der Aquarius

Mit ihrer Unterstützung der Seenot-Hilfsorganisation SOS Méditerranée im Sommer rannten AnnenMayKantereit nicht nur offene Türen bei ihren Fans ein: Es gab auch Gegenwind von Fans mit durchaus rechtem Gedankengut, die AnnenMayKantereit Kommentare und Kritik schickten, was für die Band inakzeptabel ist, sagt Bassist Malte Huck.

"Du kannst doch nicht damit kommen, dass wir Schlepper unterstützen – wie kommst du darauf? Aber es gehört wohl dazu. Und dann ist es auch ok, wenn so jemand dann unsere Musik deswegen nicht mehr hört."
Malte Huck, Bassist der Band AnnenMayKantereit

AnnenMayKantereit beziehen politisch Stellung

AnnenMayKantereit äußern sich auch auf ihrem neuen Album "Schlagschatten" in dem Song "Weiße Wand" politisch und nutzen somit ihre mittlerweile große Popularität, um Haltung zu beziehen. Neben dem Song über die ungleiche Gerechtigkeit in der deutschen Gesellschaft sind noch 13 weitere neue Songs auf dem Album zu finden. 

Songs entstanden in einem kleinen spanischen Dorf

Ganz still und heimlich haben die vier Musiker die Songs im Sommer in Spanien aufgenommen. Still und heimlich deshalb, weil die Songs vorher – außer ein paar Freunde – noch niemand gehört hat, und weil in dem kleinen spanischen Dorf außer den wenigen Dorfbewohnern niemand zum Zuhören vorbei kam. 

Vier Wochen zogen sich AnnenMayKantereit mit einer Menge Instrumenten und Equipment zum Aufnehmen und Filmen in eine kleine Finca zurück. Die schöne Location nutzten sie dazu, um im Wohnzimmer ein kleines Tonstudio einzurichten und sich drumherum in kleinen Szenerien, wie einem Bach oder der kleinen Dorfkirche, Drehorte für die Musikvideos der Singles zu suchen.

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