Im Privatmodus anonym Pornos schauen? Könnt ihr probieren, bringt aber nicht viel. Nicht nur Google und Facebook tracken auf vielen Pornoseiten. Zu dem Ergebnis kommt ein Forscherteam, das über 22.000 Pornowebseiten untersuchte. Unser Reporter Johannes Döbbelt hat sich die Studie angeschaut und Tipps gesammelt, wie ihr das Datensammeln beim Pornoschauen etwas unterbinden könnt.

Aber erst einmal die Frage: Was macht uns beim Surfen im Netz überhaupt wiedererkennbar? Dafür sorgen auf den Webseiten Cookies und sogenannte Tracker. Diese verfolgen und speichern unser Surfverhalten. Ihr kennt vermutlich den Effekt: Wenn ihr in einem Online-Shop nach einem bestimmten Produkt sucht, dann wird euch dieses Produkt plötzlich überall angezeigt. Dafür sorgen Cookies und Tracker.

22.000 Pornoseiten untersucht

Wie das Tracking bei Pornoseiten funktioniert, hat sich ein Team der US-amerikanischen Cornell Universität angeschaut. Dafür haben die Forscher 22.484 Pornoseiten untersucht. Das Ergebnis: Die meisten Seiten – nämlich 93 Prozent – geben Daten über ihre Nutzer und Nutzerinnen weiter.

Auch Surfen im Privatmodus des Browsers hilft kaum, damit eure Daten nicht gesammelt und weitergegeben werden. Denn zum einen gibt es Schlupflöcher, durch die eine Zuordnung doch stattfinden kann, so Ronald Eickenberg vom Computermagazin C't. Außerdem ist die IP-Adresse entscheidend: Darüber ist erkennbar, welche Internet-Anbieter ihr nutzt und auch, wo ihr gerade seid.

"Die IP-Adresse ist immer im Spiel und die ist nach außen sichtbar. Über die kann man mich im Fall der Fälle ausfindig machen."

Das heißt: Auch im Privatmodus können Pornoseiten Daten sammeln und sie geben diese Daten auch weiter an Werbeunternehmen. Das Forscherteam hat mehr als 200 Unternehmen ausfindig gemacht, an die Pornoseiten Daten weiterleiteten. Obwohl davon zumeist nichts in den Datenschutzbestimmungen der Pornoseiten steht, beziehungsweise viele Pornoseiten erst gar keine Datenschutzbestimmungen haben, so unser Reporter Johannes Döbbelt.

"Viele Pornoseiten haben keine Datenschutzbestimmungen."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die meisten Daten, die gesammelt werden, gehen an Google oder auch an Facebook. Aber auch an spezielle Erotik-Werbefirmen, wie zum Beispiel Juicy-Ads oder Ero-Advertising. Manche dieser Unternehmen haben möglicherweise bereits ein Marketing-Profil über euch angelegt. Sie wissen, was ihr zum Beispiel online kauft. Diese Profile können sie um die Daten der Pornoseiten ergänzen und damit genauer sexuelle Vorlieben zuordnen. Dafür reichen oft schon die Informationen der URL, die ihr anklickt. Genre und Video-Inhalt sind meistens im Titel des Links enthalten.

Tracking durch Google und Facebook

Die New York Times berichtete über die Studie und fragte bei Google und Facebook nach. Laut der beiden Unternehmen würden die Daten von Pornoseiten nicht für Werbeprofile genutzt. Außerdem seien Anzeigen und Tracking-Tools auf Pornoseiten eigentlich gar nicht erlaubt. Doch gegen das Einbinden können sich die Firmen kaum wehren, sagt Ronald Eickenberg.

"Dass Codes nicht eingebunden werden, das können sie nicht verhindern. Jede beliebige Seite kann von Google Sachen einbinden – dagegen kann sich Google nicht ohne Weiteres wehren."

Die gesammelten Daten landen dann bei Google oder auch Facebook. Ob sie dann überhaupt ausgewertet werden, ist eine andere Frage.

Im Privatmodus surfen bringt also wenig, aber es ist besser, als nichts zu tun. Hilfreich kann es auch sein, Anzeigen-Blocker zu nutzen, so Ronald Eickenberg.

"Darüber hinaus helfen auch Anzeigen-Blocker. Da viele Tracking-Codes auch über Werbeanzeigen ausgespielt werden."

Und wir haben noch einen Tipp: Ihr könnt unterschiedliche Browser nutzen. Das heißt, ihr schaut Pornos zum Beispiel ausschließlich über Firefox oder einen anderen Browser. Für alles andere im Netz nutzt ihr einen anderen Browser wie Chrome oder andere.