Kurz vor dem Champions-League-Spiel in Dortmund sind am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund drei Sprengsätze explodiert. Die Polizei geht von einem Anschlag aus - die Ermittler prüfen zur Zeit, ob er einen islamistischen Hintergrund hat.

Es hat erste Wohnungsdurchsuchungen bei zwei Verdächtigen aus dem islamistischem Spektrum gegeben, teilte die Bundesanwaltschaft in einer Pressekonferenz mit. Es habe eine vorübergehende Festnahme gegeben.

In der Nähe des Tatortes wurde ein Bekennerschreiben gefunden. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" beginnt es mit den Worten "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen". Sportler und Prominente "in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen" ständen auf einer "Todesliste des Islamischen Staates." 

Mehrere Medien berichten übereinstimmend, dass in dem Schreiben auch auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt und den Einsatz deutscher Tornado-Kampfflugzeuge in Syrien verwiesen wird. Eine Unterschrift trägt das Schriftstück nicht.

Unklare Situation: IS oder Antifa?

Laut Deutscher Presse-Agentur ist inzwischen auch ein zweites Bekennerschreiben aufgetaucht, dass aus der antifaschistischen Szene kommen könnte. Beide Briefe könnten aber auch als Ablenkung vom eigentlich Tat-Motiv gedacht sein.

"Das ist eine sehr gravierende Geschichte", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit der Bildzeitung. Ein gezielter Angriff auf ein deutsches Fußballteam sei eine neue Dimension. Der Verein sei aber unfassbar geschlossen. 

"Eine neue Dimension"

Kurz vor dem Champions-League-Spiel Dortmund gegen Monaco waren drei Sprengsätze in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses explodiert. Die Wucht der Detonationen lies die Scheiben des Busses zu Bruch gehen. Innenverteidiger Marc Bartra wurde am Handgelenkt verletzt und noch am Abend operiert. Laut BVB-Pressesprecher Sasche Fligge handelt es sich um eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk sowie verschiedene Fremdkörper-Einsprengungen im Arm.

Marc Bartra und Polizist verletzt

Auch ein Polizist, der auf einem Motorrad vor dem Bus fuhr und ihn zum Stadion begleiten wollte, wurde verletzt. Er habe ein Knalltrauma und einen Schock erlitten, teilte ein Polizeisprecher mit.

Nach ersten Erkenntnissen könnten die Sprengsätze in einer Hecke versteckt gewesen sein. Sie explodierten, als der Bus vorbeifuhr. Die Polizei spricht von einem "Angriff mit ernst zu nehmenden Sprengsätzen", es habe sich nicht um Silvesterböller gehandelt. 

Die Partie im Westfalenstadion wurde abgesagt und auf heute Abend (Mittwoch, 18:45 Uhr) verschoben. Für die Spieler beider Mannschaften sollen die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden. Die Mannschaft jetzt in einen spielfähigen Zustand zu versetzen, sei eine "Herkulesaufgabe", so Watzke gegenüber der "Bild".

Polizei lobt Fans

Der Abzug der Fans aus dem Stadion ist aus Sicht der Polizei reibungslos verlaufen. Das Stadion sei gut eine halbe Stunde nach der Entscheidung zur Spielabsage weitgehend leer gewesen. Von den Einsatzkräften gab es auf Twitter großes Lob für die besonnene Reaktion der Fans:

Unzählige Solidaritätsbotschaften

Aus allen Richtungen - Politik, Sport und Gesellschaft - erreichen Borussia Dortmund Reaktionen und Solidaritätsbotschaften.

"Unsere Gedanken hier bei der FIFA sind nach den unerklärlichen Vorfällen bei der Dortmunder Bevölkerung, dem BVB-Team sowie bei den Fans von Borussia Dortmund und AS Monaco", schrieb FIFA-Präsident Gianni Infantino. Auch mehrere Bundesliga-Rivalen haben dem BVB und seinem Verteidiger Marc Bartra ihre Unterstützung und Solidarität bekundet.