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In ihrem Roman "Die Hauptsache" führt die Autorin Hilary Leichter die Jobwechsel ihrer namenlosen Ich-Erzählerin ad absurdum. Jeder Job ist eine Metapher, surreal, komisch, aber teils alles andere als lustig.

Die Ich-Erzählerin des Romans ist eine namenlose Frau, die sich in New York von einem Job zum nächsten durchschlägt, betreut durch eine Jobvermittlungsagentur, angetrieben von dem Wunsch, irgendwann länger bleiben zu können als nur für ein Projekt, für eine Saison oder für eine Elternzeitvertretung.

Der Kick der Entfristung

Für sie ist es ganz einfach: Der Job, von dem sie träumt, ist unbefristet. Ein Job, der bleibt. Der ihr ermöglicht, so zu bleiben wie sie ist. Einfach nur zu sein. Sie wünscht sich Beständigkeit.

Sie hatte gehört, dass ihr das einen unheimlich guten Kick geben würde – mit Gänsehaut, Übelkeit und Schüttelfrost. Das hatten andere gesagt, die es von der Aushilfskraft zur Festanstellung geschafft hatten.

"Andere träumen von einer Arbeitsstelle mit Obstkorb, kostenlosen Yoga-Kursen, mit begehbarem Snackschrank und selbstdenkender Kaffeemaschine vis a vie zum Kickertisch – sie aber hat das alles schon gesehen. Und es macht keinen Unterschied."
Lydia Herms über das Buch "Die Hauptsache" von Hillary Leichter

Ein Schicksal, das auch die Autorin des Romans Hilary Leichter teilt. Als die US-amerikanische Schriftstellerin angefangen hat, ihren ersten Roman "Die Hauptsache" zu schreiben – "Temporary" im Original – hatte sie sich zuvor jahrelang von Job zu Job gehangelt und sei sich deswegen wie eine Versagerin vorgekommen, sagt die Autorin.

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In Hilary Leichters Roman steht jeder Job symbolisch für das, was dahinter steckt: Das Großraumbüro eines Start-ups wird zum Piratenschiff auf rauer See. Die junge, motivierte Crew ist auf sich gestellt. Auf diesem Piratenschiff lässt sich Geld nur durch Übernahmen anderer Schiffe beschaffen.

Entscheidungen werden nicht mit Bedacht getroffen, sondern mit Risikofreude. Als Honorar werden drei Rubine oder eine hübsche Brosche gezahlt. Wenn die Aktie erst mal steige, sei eine bessere Bezahlung drin, heißt es.

Ihr einziger Ausweg ist zu bluffen

Zuerst schrubbt sie nur das Deck und hält die Logbücher in Ordnung. Sie macht diesen Job in Vertretung für eine verunglimpfte Piratin. Die Crew schweigt zu den Gründen.

Aber schon bald wird von ihr verlangt, Position zu beziehen und eine andere unliebsame Kollegin über die Planke zu schicken. Zu diesem Zeitpunkt ist ihr weder klar, was mit 'Position beziehen' gemeint ist noch weiß sie, wie man einen Menschen den Haien zum Fraß vorwirft.

Fake it till you make it – solange bluffen bis man den Job beherrscht

Ihr einziger Ausweg ist zu bluffen, und zwar so gut sie nur kann. Sie gibt der Kollegin heimlich einen Schwimmreifen und ritzt sich für ein paar Blutstropfen mit dem Messer ins eigene Bein. Werden ihre Vorgesetzten auf diesen Bluff hereinfallen. Vielleicht – vielleicht aber auch nicht.

Das Buch

"Die Hauptsache" (OT: Temporary) von Hilary Leichter, aus dem US-amerik. Englisch ins Deutsche übersetzt von Gregor Runge, erschienen bei Arche, 254 Seiten, gebundene Ausgabe: 20 Euro, E-Book: 15,99 Euro; ET: 19.02.2021