Forschende haben herausgefunden, dass Erkältungsviren das Grippevirus H1N1 etwas ausbremsen können. Sie vermuten, dass Rhinoviren die Grippefälle niedrig halten.

Wenn wir erkältet sind, ist alles doof. Dann haben wir Husten, Schnupfen und Halsweh. Aber vielleicht hilft ja diese Perspektive ein bisschen: Wenn wir erkältet sind, sind wir wahrscheinlich auch gegen Grippe geschützt. Zumindest gegen die Schweinegrippe. Das haben Forschende der Uni Yale herausgefunden und im Fachmagazin "The Lancet Microbe" veröffentlicht.

Mehr Grippefälle ohne Rhinoviren

Konkret haben die Medizinerinnen und Mediziner das H1N1-Virus – das eben auch als Schweinegrippe bekannt ist – untersucht. Das kam 2009 zum ersten Mal in Umlauf und hatte damals für viel Verunsicherung gesorgt. Nach den Untersuchungen jetzt glauben die Forschenden, dass es viel mehr Grippefälle gegeben hätte, wenn es die Rhinoviren nicht gegeben hätte – also die normalen Erkältungsviren.

"Das Erkältungsvirus macht offenbar etwas, was das Grippevirus etwas ausbremst. Die Forschenden schlussfolgern, dass die Schweinegrippe-Pandemie ohne Erkältungsviren noch mehr Menschen betroffen hätte."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Yale-Medizinerinnen und -Mediziner haben die Daten von 13.000 Betroffenen untersucht, die während der Schweinegrippe-Pandemie Atemwegserkrankungen hatten. Daran haben sie gesehen, dass alle, die eine Erkältung hatten, keine Schweinegrippeviren in sich hatten. So kamen sie zu der Vermutung, dass das Erkältungsvirus das Grippevirus H1N1 abgewehrt haben musste.

In Stammzellenversuchen konnten die Forschenden ihre These belegen. Es zeigte sich, dass die Erkältungsviren verhindern, dass die Influenzaviren die oberen Atemwege infizieren. Um das nachzuweisen, haben sie im Labor aus Stammzellen menschliches Gewebe hergestellt, das die Atemwege der Lunge auskleidet, so Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kathrin Sielker. Dieses Zellgewebe ist nämlich das Hauptziel von Grippeviren.

Körpereigene Immunabwehr gegen Grippeviren

Dieses Gewebe wurde zunächst mit Rhinoviren infiziert, was klappte – mit Grippe-Viren funktionierte es hingegen dann nicht mehr, so Kathrin Sielker. Der Grund: Die Anwesenheit der Erkältungsviren hat das Immunsystem angespornt, den antiviralen Wirkstoff Interferon zu produzieren. Der wirkt gegen unterschiedliche Viren. Und so hatte die Grippe ungefähr fünf Tage lang keine Chance.

"Unterm Strich heißt das: Wer eine Erkältung hatte, bekam gleichzeitig keine Grippe, weil die körpereigene Immunabwehr einsetzte."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk Nova

Die Forschenden raten aber dringend davon ab, sich zum Schutz vor einer Grippe jetzt extra die ganze Zeit mit Erkältungsviren zu infizieren. Zumal es in der konkreten Forschung nur um H1N1-Viren ging. Sie vermuten zwar, dass das Prinzip auch auf andere Grippeviren zutrifft, bewiesen ist das aber noch nicht.

Zusammenhang zwischen Rhinoviren und Sars-Cov-2 wird untersucht

Genauso wenig kann derzeit gesagt werden, ob Rhinoviren auch vor dem neuartigen Coronavirus schützen können. Die Frage stellt sich aber – und deshalb wird genau das derzeit erforscht.

"Fachleute aus Yale testen gerade im Labor, wie Sars-Cov-2 und Rhinoviren zusammen interagieren."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin