Im Osten der Antarktis macht ein riesiger Eisberg den Adéliepinguinen das Leben schwer. Er versperrt ihnen den Weg ins offene Meer. Ihr Jagdrevier ist jetzt 60 Kilometer entfernt.

In der Commonwealth-Bucht im Osten der Antarktis gibt es bald möglicherweise gar keine Adéliepinguine mehr. Die Tiere sind laut Forschern vom Aussterben bedroht, weil sich ein riesiger Eisberg zwischen das offene Meer und ihre Brutstätten auf dem Festland geschoben hat. Um zu jagen, müssen sie jetzt 60 Kilometer hin- und zurücklaufen. "Viel zu viel, um auf Dauer so leben zu können", erklärt Doro Werkmann von den Wissensnachrichten.

Rieseneisberg B09B

Der Eisberg B09B ist 2900 Quadratkilometer groß. Damit ist ungefähr so groß wie das Saarland. Seit 20 Jahren ist der Koloss unterwegs. 2010 hat er in der östlichen Antarktis angedockt. Forscher der australischen University of New South Wales zählten im Jahr 2011 noch 180.000 Pinguine. Ende 2013 waren es nur noch rund 11.000. Die meisten sind verhungert und konnten auch ihren Nachwuchs nicht versorgen, sagen die Wissenschaftler.

"Der Eisberg ist so groß, dass die Tiere einen viel weiteren Weg zurücklegen müssen, um von der Brutstätte auf dem Eis zum Jagdrevier ins Meer zu kommen."
Doro Werkmann, DRadio Wissen

Hoffnung gibt es für die Adéliepinguine in der Commonwealth-Bucht kaum. Damit sich die Situation ändert, müsste der Eisberg wieder von der Küste abdocken oder die Eisfläche müsste irgendwo aufbrechen. Falls nicht, könnten die Tiere dort in 20 Jahren ausgestorben sein. Auch der Klimawandel hat keinen positiven Einfluss: Obwohl der Problemeisberg in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft ist - 2015 um 22 Kilometer - ist er immer noch zu groß. Und schmelzendes Eis ist langfristig ebenfalls eine Bedrohung für den Lebensraum der Pinguine.