Bis zu minus 80 Grad Celsius, die nächsten Menschen 600 Kilometer entfernt, vier Monate am Stück in Dunkelheit – warum tun sich Menschen das freiwillig an? Für die Wissenschaft: Die Ärztin Carmen Possnig lebte 2018 ein Jahr in der Forschungsstation Concordia am Südpol.

Im Rahmen eines Forschungsauftrags der Europäischen Weltraumorganisation ESA verbrachte die österreichische Allgemeinmedizinerin Carmen Possnig 2018 ein Jahr in der Antarktis. Zusammen mit ihrer insgesamt 13-köpfigen Crew erforschte sie, wie Menschen Körper und Geist an extreme Umgebungen anpassen.

Lebensbedingungen wie auf dem roten Planeten

Die Lebensbedingungen dort sind mit denen auf dem Mars vergleichbar. Die Forscher können das Leben auf dem Mars dort also simulieren und testen, wie das Leben in völliger Isolation an einem lebensfeindlichen Ort aussehen könnte. Seit ihrer Rückkehr beschäftigt sich Carmen Possnig an der Universität Innsbruck mit Weltraummedizin. Und sie hat ein Buch geschrieben über ihre Erfahrungen "Südlich vom Ende der Welt".

"Je größer die Liebe zur Forschung ist, desto besser. Denn dann ist es auf jeden Fall einfacher, es dort unten auszuhalten."
Carmen Possnig, Autorin und Ärztin

Die Station Concordia steht mitten in der Antarktis, tausend Kilometer von der Küste entfernt. Das heißt auch: Es ist dort sehr, sehr kalt. Im Winter gehen die Temperaturen auf bis zu minus 80 Grad runter, erzählt Carmen Possnig. Durch den Wind dann sogar auf unter minus 100 Grad.

Mit Wind: Unter minus 100 Grad

Ohne hochspezialisierte Polaranzüge ist das nicht zu schaffen: "Riesenstrampelanzüge für Erwachsene" nennt sie Carmen Possnig. Sie seien sehr, sehr dick. Und darunter trägt man dann noch mal drei bis vier dicke Schichten.

Zusammen mit ihren zwölf Kolleginnen und Kollegen hat die Ärztin verschiedenste Experimente für die ESA durchgeführt. Immer ging es darum, wie sich der Mensch an solch extreme Bedingungen anpassen kann: an die Kälte, an die Höhe, an die Isolation, an die Dunkelheit. Die Tests wurden zur Vorbereitung auf zukünftige Langzeitflüge zum Mars durchgeführt.

Test für den Mars

Wenn dem menschlichen Körper bis zu vier Monate lang die Sonne fehlt, sei das sehr kompliziert und belastend.

"Vier Monate ohne Licht – das ist für die Psyche sehr belastend."
Carmen Possnig, Autorin und Ärztin

Vor allem der 24-Stunden-Rhythmus gerate komplett durcheinander, der als Orientierung und Zeitgeber sehr wichtig sei, so die Ärztin. Sehr viele Gehirnfunktionen und Körpersysteme wie Hormonausschüttungen oder das Herzkreislaufsystem wären darauf ausgerichtet.

Keine Geheimnisse

Die Station selbst sei zwar relativ groß gewesen. Trotzdem war sie ziemlich hellhörig und man habe quasi die ganze Zeit keine Geheimnisse voreinander gehabt. Jeder habe irgendwann jeden gekannt, jede Anekdote und jede Kindheitserinnerung.

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