Fünf Massenaussterben hat die Erde bisher überstanden. Jetzt legt der Mensch selbst Hand an und bereitet den sechsten Streich vor.

Am 24. Juni 2012 war für die Unterart Chelonoidisnigra abingdonii das Kapitel Leben auf der Erde beendet. An diesem Tag starb die Galápagos-Riesenschildkröte mit dem Spitznamen Lonesome George als letzte ihrer Art und ist jetzt Mitglied einer illustren Reihe von Tierarten wie dem Dodo oder dem Tasmanischen Beutelwolf, die in den letzten Jahrhunderten ausgestorben sind.

"Wenn man über Massenaussterben spricht, sollte man auch das heutige Massenaussterben nicht vernachlässigen, das wir jetzt durchmachen."
Gert Wörheide, Geobiologe

Aus fünf mach sechs

Einige Wissenschaftler wie der Urzeitforscher Jes Rust von der Uni Bonn warnen vor einem neuen Massenaussterben, das sich den "Big Five" anschließen könnte, also den bisherigen großen fünf Aussterbe-Ereignissen. In einer Studie spekuliert der Paläontologe Anthony Barnosky über das sechste massenhaften Aussterben von Tier- und Pflanzenarten in bereits wenigen Jahrhunderten. Vor allem Amphibien sind schon jetzt unter den Opfern zu beklagen. Sie sterben gerade sehr schnell aus.

"Wir sehen heute zum Teil schon Konsequenzen, die wir eigentlich von der Dimension her nur beurteilen können, wenn wir in der Erdgeschichte auf diese großen Massenaussterben schauen."
Jes Rust, Paläontologe

Der Mensch definiert sein eigenes Zeitalter

Oft waren es gerade die großen Massenaussterben, die den Beginn eines neuen Erdzeitalters definiert haben. Deswegen diskutieren Fachleute darüber, ob die aktuellen Veränderungen durch den Menschen rechtfertigen, das Anthropozän, also das Zeitalter des Menschen auszurufen. Gewissheit darüber können aber nur zukünftige Generationen liefern, wenn in ungefähr 50 Millionen Jahren in der Zukunft jemand unsere Gesteinsschichten ausgraben sollte.

"50 Millionen Jahre weiter wird man das - in Anführungsstrichen - Anthropozän wahrscheinlich nur als ein bis zwei Zentimeter dicke Schicht, die voll ist mit Plastikmüll und Coladosen, im Fossilbericht wiederfinden."
Gert Wörheide, Geobiologe