Rhododendron soll heilende Kräfte haben - und zwar nicht nur, weil Esoteriker das sagen. Rhododendron wirkt antibakteriell. Forscher aus Bremen haben drei besonders wirksame Stoffe aus dem Rhododendron identifiziert und arbeiten daran, sie künstlich herzustellen.

Die antibakterielle Wirkung von Rhododendron ist eine Chance - in Zeiten, in denen mehr und mehr Antibiotika nutzlos werden, weil die Erreger einfach nach und nach dagegen immun werden.

"Pflanzen müssen sich vor Fressfeinden und Schädlingen auf besondere Weise schützen, weil sie nicht weglaufen können - also machen sie das auf chemische Art."
Almuth Knigge, DRadio-Wissen-Reporterin in Bremen

In Bremen gibt es einen großen Garten, den Rhodendron-Park. 3600 verschiedene Sorten und Züchtungen dieser beliebten Vorgartenpflanze stehen da. Matthias Ulrich von der Jacobs-University in Bremen hat sich den Rhododendron als Forschungsobjekt ausgesucht, weil er schon im Mittelalter als wirksame Wundauflage benutzt wurde.

Wirksam seit dem Mittelalter

Nur leider weiß heute niemand mehr, welche Art das war von den Tausenden Wildsorten, die es gibt. Deshalb haben die Bremer vor vier Jahren angefangen, die Blätter jeder einzelnen Art zu untersuchen. Eine mühsame Arbeit:

  • Abzupfen, Schockfrosten, Zerhacken, in Alkohol auflösen und dann schauen, welche Substanzen in welcher Sorte in welcher Konzentration vorhanden sind
  • In einem zweiten Schritt wird dann untersucht, wie wirksam sie gegen Bakterien sind
"Bei den 200 Arten, die bis jetzt getestet wurden, gab es tatsächlich drei Stoffe, die Bakterien abtöten konnten."
Almuth Knigge

Als Tabletten in der Apotheke gibt’s die aber erst mal noch nicht zu kaufen. Denn die Bremer arbeiten gerade noch daran, die Wirkstoffe im Labor künstlich nachzubauen, damit nicht die ganzen Blätter geerntet werden müssen. Das ist technisch aufwendig und dauert lange - und genauso lang dauert dann eine klinische Zulassung. Außerdem müssen ja auch noch die Nebenwirkungen getestet werden.

Test in der Tiermast

In Bremen und Umgebung gibt es viele Tiermastbetriebe. Die Forscher wollen jetzt versuchen, den Antibiotikaeinsatz bei der Tiermast - der ja auch zu Resistenzen beim Menschen führt - zu vermindern: Indem sie dem Futter stattdessen die Rhododendron-Wirkstoffe zusetzen.

Was kann der Rhododendron noch?

Die Homöopathie singt sehr laute und lange Loblieder auf den Rhododendron. Das Wunderkraut soll helfen gegen:

  • Rheuma
  • Nervenschmerzen
  • Wetterfühligkeit
  • Hodenquetschungen und -entzündungen
  • Arthritis
  • Gicht
  • Hohen Blutdruck
  • Herzschwäche
  • nervöse Zustände
  • Ängste vor einem nahenden Gewitter
"Das heißt nicht, dass man sich jetzt mit Blättern peelen soll oder sie essen. Dann kriegst du alle Vergiftungserscheinungen, die du nicht haben willst."
Almuth Knigge

Der böse Wirkstoff heißt Andromedotoxin und verursacht im harmlosen Fall Schwindel, Durchfall und Hautausschlag - im schlimmsten Fall ist er tödlich. Auch nur in ganz kleinen Mengen. Man kennt Fälle, vor allem bei Kindern oder empfindlichen Menschen, die schwere Kreislaufstörungen oder Herzbeschwerden bekommen haben, weil sie Honig gegessen haben, der dort gewonnen wird, wo viel Rhododendron blüht. Zum Beispiel an der türkischen Schwarzmeerküste.

"Dieser Honig wurde bei den alten Römern schon als Biowaffe eingesetzt, kann man lesen: Die Gegner wurden mit dem Honig kampfunfähig gemacht und dann überwältigt."
Almuth Knigge

Rauchen nutzt nichts

Rhododendron solltet ihr nicht rauchen, rät Matthias Ulrich von der Jacobs-University: Bewusstseinserweiternde oder persönlichkeitsentwickelnde Erlebnisse seien nicht zu erwarten. Wenn ihr allerdings auf Magenkrämpfe und Kreislaufkollaps aus seid, dann kann euch mit Rhododendron geholfen werden.