Es ist der 22. März 1312, als Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne eine folgenschwere Entscheidung bekannt gibt: Der Orden der Templer, der seit 200 Jahren treu an der Seite der Päpste gestanden hat, wird verboten, aufgelöst und sein Vermögen eingezogen. Bis heute ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden um den Orden.

Im Jahr 1128 wurde der Orden das erste Mal schriftlich erwähnt. Gegründet wurdem die Templer irgendwann nach dem ersten Kreuzzug 1099. Damals hatten christliche Ritter den Nahen Osten erobert. In Edessa, Jerusalem, Antiochia und Tripolis richteten sie sogenannte Kreuzfahrerstaaten ein und befreiten den Weg für fromme Pilger aus Europa ins gelobte Land aus den Händen der "Ungläubigen".

Die Pilger starten mit dem Schiff in Italien, landen an der palästinensischen Küste und legen den Rest der Strecke zu Fuß durch unwegsames und vor allem gefährliches Gebiet zurück. Immer wieder gibt es Berichte von Überfällen und Raubzügen gegen Christen, die an die heiligen Stätten Jerusalems pilgern wollen. Um sie zu schützen, gründen christliche Ritter einen Orden im Dienst des Papstes, der ritterlich und christlich zugleich sein soll.

Templer mit besonderen Privilegien ausgestattet

Auf der Suche nach einer Bleibe für die Ritter bietet ihnen der König von Jerusalem, Gottfried von Bouillon, einen Teil seines Palastes auf dem Jerusalemer Tempelberg als Quartier an. Heute befindet sich dort die Al-Aksa-Moschee, die bei der Namensfindung der Templer Pate gestanden hat: "Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels". Ob die Ritter arm waren, darf allerdings bezweifelt werden. Der Namenszusatz "salomonisch" verweist auf den jüdischen Tempel Salomos aus dem 6. Jahrhundert vor Christus.

Ein Templer in der Schlacht, Freske aus dem 13. Jahrhundert
© IMAGO | United Archives International
Ein Templer in der Schlacht, Freske aus dem 13. Jahrhundert

Im Laufe der Jahrhunderte entwickeln sich die Templer immer mehr zu einem Staat im Staat. Zahlreiche Päpste erteilen den Rittern besondere Privilegien, sie dürfen Steuern eintreiben, ohne selbst welche zu entrichten. Später dürfen sie sogar eigene Gottesdienste abhalten. Der Klerus ist angehalten, den Rittern des Templerordens Tor und Tür zu öffnen. Jahr für Jahr wächst der Reichtum des Ordens, nach den Resten dieses Reichtums wird bis heute gesucht. Der Mythos vom Schatz des Templerordens dient Autoren wie Dan Brown als spannende Romanvorlage – zum Beispiel in "Sakrileg".

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Jürgen Sarnowsky beschreibt die Rolle des Templerordens in der Zeit der Kreuzzüge und die Gründe für seine Auflösung.
  • Der Historiker Tobias Daniel Wabbel hat sich mit dem Schatz der Templer beschäftigt und ist der Frage nachgegangen, ob es ihn überhaupt gibt.
  • Der Religionswissenschaftler Marco Frenschkowski schildert, welche Geheimbünde es heute gibt.
  • Deutschlandfunk Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld geht zurück zu den Anfängen der Templer nach dem Ersten Kreuzzug.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Luisa Filip erinnert an die Verbrennung des letzten Großmeisters des Ordens, Jacques de Molay am 11. März 1314.