Apnoe-Tauchen ist mehr als einfach nur die Luft anhalten. In der Ruhr will jetzt ein Team den Langstreckenrekord knacken, bis zu 400 Meter könnten es werden - und das ohne Sauerstoffflasche.

Beim Apnoe-Tauchen fehlt ein entscheidendes Detail: die Sauerstoffflasche. Ein Atemzug muss den Tauchern reichen, um ans Ziel zu kommen. Bekannt ist diese Sportart vor allem durch spektakuläre Tauchgänge in der Tiefe. Apnoetaucher, die auf Langstrecke tauchen, kämpfen weniger gegen den Wasserdruck, aber auch sie schwimmen gegen die Zeit. Beim Rekordversuch in Essen wollen die Teilnehmer richtig Strecke machen. Ungefähr drei Minuten bleiben ihnen dafür.

„Wir kommen alle unter Schwimmbadbedingungen in die Realität: die Ruhr“
Werner Giove, Tauchlehrer und Apnoe-Taucher

Für ihren Versuch haben sich die Freitaucher um Tauchlehrer Werner Giove die Ruhr ausgesucht. In einem Vorort von Essen tauchen sie in trübes Wasser ein, als Orientierungspunkt dient ein Seil. Vorbereitet hat sich das Team zumeist im Schwimmbad, das Flußwasser hat allerdings zwei entscheidende Vorteile: Die Taucher können durchschwimmen, ohne am Beckenrand wenden zu müssen. Zudem treibt auch die Strömung sie voran.

"Bei der Wende im Schwimmbad verliert man viel Energie. Das ist wie beim Stop-and-Go im Stau“
Werner Giove, Tauchlehrer und Apnoe-Taucher

Jeder Taucher hat sein eigenes Ritual, seine eigene Technik, wie er sich auf die Minuten ohne Luft vorbereitet - und wie er sie übersteht. Zunächst atmen sie sich am Beckenrand drei bis fünf Minuten in eine Entspannung, der Kreislauf wird so reguliert. Den Moment, an dem es losgeht, bestimmt der Taucher selbst. "Und dann zieht man durch", sagt Werner Giove. Was dann folgt, sei schwer zu beschreiben, sagt der Tauchlehrer. Für die einen ist es wie das Abtauchen in klassische Musik, für andere sind es wenige Minuten absolute Stille und Konzentration.

80 Prozent Geist, 20 Prozent Körper

Was so leicht klingt, ist dennoch wirklich nichts, was man einfach mal so ausprobieren sollte. Werner Giove ist seit über zehn Jahren als Freitaucher unterwegs und weiß, wie wichtig die Vorbereitung ist. Geübte Apnoe-Taucher tauchen nie allein. Sie kennen die Gefahr, ohnmächtig zu werden oder zu krampfen. Daher gibt es immer mindestens einen Aufpasser und verabredete Notruf-Signale.

Ob es mit dem Rekordversuch klappt, hängt am Ende nicht nur vom Wetter, Strömung und Tagesform ab. Apnoetauchen, sagt Werner Giove, beruht "Zu 80 Prozent auf mentaler Stärke und zu 20 Prozent auf physischem Training".