Arbeitende in Deutschland sind so unmotiviert wie in keinem anderen Land der Welt. Ein Arbeitspsychologe hält die unbewegliche Arbeitswelt hierzulande für ein Problem und erklärt, was dagegen helfen kann.

Arbeitende in Deutschland sind Frustweltmeister. In keinem anderen Land gehen die Menschen so ungern zur Arbeit. Das hat eine globale Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit ergeben. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus 160 Ländern haben Fragen für diese Studie beantwortet – die Arbeitenden in Deutschland sind demnach am wenigsten motiviert.

Die Firma Peakon hat die Umfrage ausgewertet. Das Unternehmen bietet Software zur Mitarbeiterbefragung an und es kam raus, dass jeder vierte Arbeitende in Deutschland keinen Bock auf seinen Job hat – das sind 23 Prozent. Ganz knapp dahinter liege britische Arbeitende mit 22 Prozent.

Angst vor Veränderung

Tim Hagemann hat eine Erklärung für die mangelnde Motivation. Er ist Arbeitspsychologe an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld und forscht zu Arbeitsgesundheit. Er sieht das Problem darin, dass deutsche Unternehmen vor Änderungen zurückschrecken.

"Deutsche Unternehmen sind zum großen Teil noch sehr hierarchisch aufgestellt. Es gibt doch noch recht wenig Mitbestimmung. Wir haben auch viel Bürokratie in deutschen Unternehmen. Es ist sehr reguliert."
Tim Hagemann, Arbeitspsychologe, Fachhochschule der Diakonie, Bielefeld

Hinzu komme, dass deutsche Unternehmen in Managementfragen wenig innovativ arbeiteten. Außerdem hängt es auch mit der Art der Arbeit zusammen. Im Vergleich zu anderen Ländern sei das Arbeiten hierzulande recht langweilig, sagt Tim Hagemann.

"Deutschland ist in vielen Bereichen ein sehr traditionelles Arbeitsland. Ein Industrieunternehmen, wo sie meinetwegen in der Fertigung in einer Taktung arbeiten, das sind Arbeitsplätze, wo die Motivation nie besonders hoch war."
Tim Hagemann, Arbeitspsychologe, Fachhochschule der Diakonie, Bielefeld

Tatsächlich sind laut der Studie nur 34 Prozent der Arbeitenden in der Fertigungsindustrie motiviert. Im Techsektor sind es immerhin 44 Prozent. Abgesehen von der Tätigkeit selbst, können Vorgesetzte motivierend wirken und die Art der Kommunikation im Job.

"Es ist sicherlich ganz wichtig, dass man das Gefühl hat, dass sich die Arbeit unterm Strich für einen lohnt, dass das, was man tut, gesehen und erkannt wird, dass Leistung wahrgenommen wird."
Tim Hagemann, Arbeitspsychologe, Fachhochschule der Diakonie, Bielefeld

Es geht also um eine angemessene Feedbackkultur, Wertschätzung – in Form von Geld, Mitentscheidung und Selbstbestimmung – und das ist übrigens besonders den jüngeren Generationen wichtig und die fordern das auch eher ein.

Kommunikation und Anerkennung

Falls die Arbeit sinnlos erscheint, sollten Arbeitende unbedingt die Probleme ansprechen und vielleicht auch konstruktive Ideen parat haben, empfiehlt Tim Hagemann.

"Also ich glaube, viele Führungskräfte, auch Unternehmen, wissen nicht, wie sie es besser anstellen sollen und sind da vielleicht auch gefangen in ihrer Tradition."
Tim Hagemann, Arbeitspsychologe, Fachhochschule der Diakonie, Bielefeld