Die Fotografie hat sie wirklich ausgefüllt, heute ist sich Laura nicht mehr sicher. Wie eine Neufindung im Job theoretisch funktioniert, erklärt die Arbeitspsychologin Maike Debus.

Eigentlich ist Fotografie für Laura viel mehr als ein Beruf. Sie hat die vergangenen zehn Jahre als Porträtfotografin gearbeitet. Während der Corona-Zeit hatte sie dann das Gefühl, eigentlich nur noch irgendwie online aktiv zu sein. Und den Sinn in ihrer Arbeit nicht mehr richtig gefunden.

"Wenn man ein Bild hat und 4000 Menschen finden es toll. Klar freut man sich. Es nutzt sich aber auch schnell ab."
Laura Zalenga, Porträtfotografin
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Laura Zalenga, Porträtfotografin

Sie hatte Zeit zum Nachdenken und fühlt sich heute in einer Neufindungsphase. Laura sagt darüber: "Ich hatte eine lange Zeit der Trauer." Ob sie ohne dieses Brennen für die Fotografie und ihre Arbeit weitermachen kann, das weiß sie gerade nicht.

Erst eine Leidenschaft, dann ein Beruf

Umgekehrt findet sie es auch unrealistisch, dass eine persönliche Leidenschaft dauerhaft zum Beruf werden kann und sagt: "Du machst deine Leidenschaft zum Beruf? Das kann eigentlich nicht gut gehen."

Nicht in allen Fälle sei ein Job auch eine Berufung. Theoretisch lohne es sich, dieses Ideal dennoch zu verfolgen, sagt die Arbeitspsychologin Maike Debus. Weil Arbeit bei Vollzeitbeschäftigen täglich acht Stunden in Anspruch nimmt, viele Menschen sich über ihren Job definieren und er einfach eine große Rolle im Leben einnimmt.

"Es ist ganz zentral, das Personen dem Nachgehen, woran sie Interesse haben, womit sie sich identifizieren können, wofür sie eine Leidenschaft haben."
Maike Debus, Arbeitspsychologin
Maike Debus, lehrt am Institut de Psychologie du Travail et des Organisations, an der Universität Neuchâtel
© Maike Debus
Maike Debus, Arbeitspsychologin

Die Bedeutung von Arbeit sei durch Studien hinreichend belegt: "Wenn Personen ihren Arbeitsplatz verlieren, verloren haben oder darum fürchten, dann geht es ihnen deutlich schlechter, dann leiden die extrem darunter."

Folgen von Arbeitsplatzverlust

Vom Verlust des Arbeitsplatzes könnten sich Menschen kaum erholen: Sorgen, schlechter Schlaf und anhaltende Unzufriedenheit seien die Folge. Wem die Motivation fehlt, rät sie, gut in sich reinzuhören und herauszufinden, ob die Motivationslosigkeit dauerhaft ist oder nur eine Phase.

Tatsächlich sei im Moment sehr viel Bewegung im Arbeitsmarkt: "Es gibt eine extrem hohe Anzahl von Leuten, die den Job wechseln." Manchmal sei es nur die Branche, die nicht die richtige ist. Für Zweifelnde ergeben sich zwei Optionen:

  • Bei deutlichem Veränderungswunsch: Karriere- oder Laufbahnberatung.
  • Bei geringfügigerem Veränderungswunsch: Optionen im Rahmen der eigenen Stelle prüfen und versuchen über die Zeit in andere Aufgabenbereiche hineinfinden. Das Stichwort lautet hier Job Crafting.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Laura hat für die Porträtfotographie gebrannt.
  • Beruf und Leidenschaft dürfen schon zueinander passen, findet die Arbeitspsychologin Maike Debus.
  • Ab 21
  • Moderator:  Utz Dräger
  • Gesprächspartnerin:  Laura Zalenga, Porträtfotografin
  • Gesprächspartnerin:  Maike Debus, Arbeitspsychologin an der Université de Neuchâtel, Schweiz