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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte seinen Entwurf für einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice schon fertig. Doch die Unionsparteien ziehen nicht mit. Die Arbeitsrechtlerin Martina Hidalgo bezweifelt, dass ein Anspruch auf Homeoffice gut ist. Sie glaubt, dass ein gesetzlicher Rahmen zu starr wäre.

Die Debatte um den Rechtsanspruch auf Homeoffice schwelt schon länger. Jetzt hat der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Reiner Hoffmann die Diskussion mit einer entsprechenden Forderung in der "Süddeutschen Zeitung" neu angefacht.

Schon jetzt arbeitet jeder vierte Berufstätige ausschließlich im Homeoffice, hat eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom von Anfang Dezember 2020 ergeben. Rechtliche Regelungen zum Homeoffice gibt es aber bislang kaum, sagt die Arbeitsrechtlerin Martina Hidalgo.

Kein Homeoffice-Gesetz

Zu sogenannten "Telearbeitsplätzen" gibt es Gesetze im Arbeitsstättengesetz, erklärt sie. Dabei gehe es allerdings vor allem um Arbeitsschutz. Gemeint ist damit eben nicht die Form des mobilen Arbeitens, wie es gerade viele von uns tun, sagt Martina Hildalgo: "Das ist weitestgehend ungeregelt."

Das Homeoffice gelte zunächst als Oberbegriff für jede Form von Arbeit zu Hause. Das kann an einem fest eingerichteten Arbeitsplatz sein, einem sogenannter Telearbeitsplatz, oder mobil mit einem Laptop, Smartphone oder Tablet. Letzteres kann auch in der Bahn oder in einem Hotel stattfinden.

"Mobiles Arbeiten ist nicht: 100 Prozent zu Hause statt 100 Prozent im Büro."
Martina Hidalgo, Arbeitsrechtlerin

Auch wenn das mobile Arbeiten viele Vorteile auch für die Unternehmen bietet, zögert die Bundesregierung trotz des Gesetzentwurfs von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), das Recht auf Homeoffice auf den Weg zu bringen. Homeoffice biete eben nicht nur Vorteile, sagt die Arbeitsrechtlerin.

"Die Union sperrt sich immer dann, wenn etwas zu verrechtlicht wird, wenn die Mitarbeiter mit Ansprüchen an den Arbeitgeber herantreten können."
Martina Hidalgo, Arbeitsrechtlerin

Gerade die Unionsparteien seien zurückhaltend, wenn es darum gehe, mit einem Gesetz den Arbeitnehmenden Ansprüche gegenüber den Arbeitgebenden einzuräumen. Sie würden diesen Anspruch auf Homeoffice, egal ob der Arbeitgeber will oder nicht, kritisch sehen.

Nun hat die Pandemie Fakten geschaffen: Seit dem vergangenen Jahr wird Homeoffice vermehrt eingesetzt. Die Arbeitsrechtlerin glaubt aber nicht, dass das gesetzlich festgeschrieben werden muss. Sie meint, der Gesetzgeber sollte besser darauf vertrauen, dass Arbeitgebende und Arbeitnehmende das untereinander gut regeln.

Hohe Arbeitsbelastung im Homeoffice

Aus Sicht der Menschen, die von zu Hause arbeiten, ist die Situation durchaus anspruchsvoll, sagt Martina Hidalgo. Auch für die Führungskräfte sei diese Form der Zusammenarbeit herausfordernd, weil sie die Arbeit und das Personal anders organisieren müssten.

Die größte Herausforderung sieht Martina Hidalgo vor allem für die Menschen, für die es schwierig ist, dieselben Bedingungen zu Hause wie im Büro zu schaffen. Ein großes Problem für Eltern sei zum Beispiel, wenn die Kinder nicht in Betreuungseinrichtungen oder Schulen gehen könnten, und sie parallel neben der Arbeit für Homeschooling, Kochen und Betreuung zuständig sind. Eine Riesenbelastung für die Arbeitnehmenden, findet die Arbeitsrechtlerin.

"Es ist nicht so einfach, alles zu vereinbaren, und es kommt dann zu einer kompletten Überlastung."
Martina Hidalgo, Arbeitsrechtlerin

Die Arbeitsrechtlerin hält Ansprüche, die sich aus Gesetzen ableiten, für unflexibel. Im Entwurf des Arbeitsministeriums heißt es beispielsweise, dass 24 Tage im Jahr für Homeoffice zugestanden werden sollen. "Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber lachen doch darüber, weil sie schon längst viel weiter sind", so Martina Hidalgo.

Grüne fordern gesetzliche Regelung

Die Grünen wollen es aber nicht den Arbeitgebenden und den Arbeitenehmenden überlassen, sich zu einigen. Sie fordern von der Bundesregierung strenge Vorgaben für die Firmen in Bezug auf Homeoffice. "Wir brauchen eine Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Unternehmen verpflichtet, überall dort, wo es möglich ist, Homeoffice jetzt auch anzubieten", forderte die Grünen-Fraktionschefin Kathrin Göring-Eckardt in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Und den Arbeitgebern, die uneinsichtig seien, ohne Grund ihre Mitarbeiter ins Unternehmen bestellten, müsste "mit Bußgeldern Druck gemacht" werden. Die Grünen-Politikerin sieht da die Bundesregierung in der Verantwortung, bundeseinheitlich Regeln zu erlassen.