Spaß im Job, das erwarten neun von zehn Arbeitnehmenden. Wirtschaftspsychologen sprechen sogar von einem Wertewandel im Berufsleben. Doch laut einer Umfrage sind viele mit ihrem Job unzufrieden und würden ihn auch nicht ihren Freunden empfehlen.

Nine-To-Five im Büro - das scheinen immer weniger Arbeitende in Deutschland zu wollen. Von ihrer beruflichen Entwicklung erwarten 90 Prozent von vor allem Spaß, 83 Prozent Gehalt und 64 Prozent Selbstverwirklichung.

Von ihrem Job erwarten 42 Prozent flexible Arbeitszeiten beziehungsweise die Möglichkeit bei den Schichten mitzubestimmen. Die Erwartungen von Arbeitnehmenden an ihren Job haben sich demnach seit der Jahrtausendwende massiv verändert. Wirtschaftspsychologen sprechen sogar von einem Wertewandel im Berufsleben.

Das ist eines der Ergebnisse des Meaning of Work Report 2020, einer repräsentative Umfrage unter 2024 arbeitenden Menschen in Deutschland. Die Jobbörse Indeed hat den Report in Auftrag gegeben und das Marktforschungsinstitut YouGov hat die Umfrage durchgeführt.

Bildungsstand bedingt Einkommen

Wir brauchen Geld, um zu leben, arbeiten, um das Geld zu verdienen, mit dem wir dann leben können. Eigentlich soll noch genug Zeit bleiben, um das Geld auch wieder auszugeben. So fasst es Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ina Plodroch zusammen.

Freiheitlichkeit, Selbstverantwortung und Mitbestimmungsrechte werden wichtiger, berichtet Sarah Noack. Die Arbeits- und Organisationspsychologin ist eine Mitgründerin einer Arbeitsvermittlung, die hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Unternehmen zusammenbringt. Die Höhe des Einkommens hänge maßgeblich vom Bildungsstand ab, sagt Sarah Noack.

"Je höher das Bildungsniveau, je höher sicherlich auch das Einkommen, desto wichtiger wird Sinnhaftigkeit im Tun."
Sarah Noack, Arbeits- und Organisationspsychologin

Aus der Work Life Balance sei heute Work Life Integration oder Life Balance geworden, sagt die Arbeits- und Organisationspsychologin. Für sie sind diese Ausdrücke allerdings stark beschönigend.

Arbeitsorganisation bei Start-ups

Wegen der sich wandelnden Ansprüche von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern setzen manche Digitalunternehmen oder Start-ups auf das Konzept des agilen Arbeitens. Das steht momentan für eine Arbeitsorganisation nach Prinzipien des Projektmanagements und andererseits für selbstverwaltetes Arbeiten in Organisationen, berichtet Sarah Noack.

Manche der Unternehmen stellen Scrum Master ein, die Teams arbeitsfähig halten sollen mit Teamwork und guten Kommunikation, damit die Stimmung im Team gut ist, erklärt Sarah. Sie arbeitet als Scrum Master.

"Das heißt unter anderem, dass man dafür sorgt, dass es dem Team gut geht, dass sie alles haben, was sie brauchen."
Sarah, arbeitet als Scrum Master

Spaß im Job als Wunschvorstellung

Dass Arbeit manchmal nervt, weil wir sie für eine recht lange Dauer in der Regel täglich erledigen müssen und immer auch nervige Kleinigkeiten dazugehören, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ina Plodroch normal.

Laut des Berichts ist gut die Hälfte der Befragten mit ihrer Arbeit unzufrieden – Seite 16 – und nur jeder zweite würde einer Freundin oder einem Freund den Job weiterempfehlen.

Vielleicht würde ihnen eine realistische Erwartungshaltung helfen, vermutet Ina. Weil: Wie viel Spaß können Excel-Tabellen oder andere serielle Arbeiten am Computer auf Dauer überhaupt machen?

"Wie viel Spaß kann dauerhaft Online-Marketing machen, wenn das der einzige Lebensinhalt ist?"
Sarah Noack, Arbeits- und Organisationspsychologin

Sarah Noack versucht mit ihrem Unternehmen deshalb auch, Arbeitgebern zu zeigen, dass sie in Stellenanzeigen lieber ein ehrliches Bild von einer Stelle vermitteln sollten. Wer vorher weiß, dass es an bestimmten Tagen sehr stressig wird, der erwartet dann vielleicht auch nicht nur Spaß und ist am Ende weniger enttäuscht.