Deadlines und Zeitdruck können gut für uns sein: Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, leisten manche von uns, die sich dadurch motiviert fühlen, bessere Arbeit. Zu diesem Ergebnis kommen israelische Forschende, die eine Studie zu Deadlines durchgeführt haben.

Für viele von uns trifft es zu: Wir arbeiten besser, wenn wir Termindruck haben – das hat eine Studie von drei israelischen Psychologinnen und Psychologen festgestellt.

Mehr Effizienz unter Zeitdruck

Zwei Gründe sind dafür verantwortlich, dass wir schneller sind und mehr leisten, wenn wir eine Deadline haben, also einen finalen Termin, an dem wir ein Projekt abschließen und einreichen müssen. Das kann eine Bachelorarbeit sein oder eine Aufgabe, die uns unser Chef auf den Schreibtisch gelegt hat.

  1. Wir befürchten Ärger und Konsequenzen, wenn wir eine Deadline nicht einhalten
  2. Solch eine Frist zeigt, wann die Aufgabe fertig ist und wir uns wieder angenehmeren Dingen widmen können

Das sind die beiden Gründe, die uns dazu motivieren, alles zu geben, um zu einem bestimmten Zeitpunkt mit unserer Aufgabe fertig zu sein.

"So eine Frist zeigt uns ganz klar und sehr einfach: Dann ist die Sache vorbei. Und das führt dann auch dazu, dass wir kurz vor Schluss noch einmal richtig Gas geben."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Wir legen einen Endspurt ein

Andere Studien mit Läuferinnen und Läufern haben gezeigt, dass sie noch einmal alles geben, wenn sie den Zielpunkt direkt vor Augen haben. Das bringt sie nicht nur näher an die Ziellinie, sondern auch schneller. Sie verbessern sich also, wenn sie das Ziel sehen können.

Wenn wir das Ziel nicht sehen können, sind wir langsamer

Genauso war es auch bei den Studienteilnehmern des in Israel durchgeführten Experiments. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass den Probanden diese Endspurt-Motivation gefehlt hat, wenn sie nicht wussten, wann die Aufgabe zu Ende ist.

Deadlines machen produktiver - der Versuchsaufbau

Rund 65 Leute mussten an einem Computer Fleißaufgaben lösen. Es wurden zum Beispiel verschiedene Zeichen auf dem Bildschirm angezeigt, die die Versuchsteilnehmer richtig einordnen mussten. Aber auf dem Display waren auch andere Zeichen zu sehen, die von den eigentlich wichtigen Zeichen ablenken sollten. Also eine Aufgabe, bei der es darauf ankommt, dass wir uns konzentrieren und dabei die ganze Zeit auf einen Bildschirm schauen.

Diese Aufgaben kamen in Blöcken und wiederholten sich immer wieder. Ein Versuch dauerte durchschnittlich anderthalb Stunden. Als zusätzliche Motivation wurde den Probanden gesagt, dass sie Geld gewinnen könnten, wenn sie zu den schnellsten 25 Prozent gehören, die die Aufgaben lösen.

Eine Hälfte der Gruppe bekommt den Fortschritt angesagt

Einer Hälfte der Gruppe wurde außerdem gesagt, wie weit sie mit den Aufgaben fortgeschritten waren, das heißt, dass sie auch wussten, wie viele sie noch lösen müssen. Dieses Prinzip gibt es oft bei Online-Fragebögen – da steht dann zum Beispiel "Sie haben 60 Prozent der Fragen beantwortet." Oder auch: "15 von 25 Fragen beantwortet."

Die andere Hälfte wusste hingegen nicht, wie viele von den Aufgaben sie schon geschafft hatten und wie viele noch kommen würde. Das waren dann auch diejenigen, die langsamer waren – sie waren nicht motiviert genug, um einen Endspurt einzulegen.

Weniger Pausen eingelegt, wenn das Ziel absehbar war

Wenn die Leute wussten, wie viele Aufgaben sie noch lösen müssen, hatte das auch einen Einfluss darauf, wie oft und wie lange sie pausierten. Wer wusste, dass er bald mit den Aufgaben fertig sein würde, machte kürzere Pausen und gab teilweise sogar an, etwas weniger müde zu sein.

"Wichtig ist: In diesen Experimenten hat keiner der Teilnehmenden ein Feedback dazu bekommen, wie gut sie/ er bisher in den Tests abschnitten hatte. Einige der Personen haben Informationen dazu bekommen, wie weit sie mit dem Fortschritt der Aufgaben gekommen sind."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Deadline gibt Motivationsschub

Die Forschenden sagen, dass es den Versuchsteilnehmern noch einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben habe, wenn das Ende der Arbeit und somit das Ziel zu sehen war. Denn damit wurden auch die angenehmeren Dinge, mit denen sich die Probanden nach dem Abschluss des Versuchs befassen wollten, in nähere Reichweite gerückt.