Befragt man Mitarbeiter und Chefs zu den Arbeitsbedingungen in Großraumbüros, bekommt man unterschiedliche Antworten. Die meisten Mitarbeiter sehen im Lärm das größte Problem. Chefs sagen schon mal: "Wieso? Ist doch alles super!"

Pssssst, jetzt plaudern wir mal aus dem Nähkästchen. Hier in der DRadio-Wissen-Redaktion gibt es Redakteure, die setzen sich Lärmschutz-Kopfhörer auf, wenn sie sich konzentrieren müssen. Sieht lustig aus, wir nennen die Micky Mäuse - und stören sie trotzdem, wenn wir mal was wissen wollen. Das ist immer ein großer Spaß!

"Die Mehrheit der befragten Mitarbeiter in Büros hat gesagt, dass sie dieser unterschwellige Lärm unzufrieden bei der Arbeit macht."
Tobias Jobke (DRadio Wissen) über die Befragung zu Arbeitsbedingungen

Aber im ernst: Solche Kopfhörer wären vielleicht für viele hilfreich, denn laut einer jüngsten Befragung des Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics sind die meisten tatsächlich von der Lautstärke in Großraumbüros, von dem ständigen Gequatsche, dem Telefonieren, Niesen und so weiter, genervt.

Was den Mitarbeitern nicht so wichtig war, ist kostenloses Essen, viel Platz oder Tageslicht. Die meisten gaben an, dass sie sich konzentrieren wollen - ohne Unterbrechungen. Für die Studie wurden weltweit 600 Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen zu ihrem Arbeitsplatz befragt. Die Hälfte davon ist übrigens zwischen 18 und 35 Jahren.

Chefs verstehen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter nicht

In der Studie wurden auch 600 Chefs befragt. Interessant ist: Während die Mitarbeiter sich in Pausenräume verziehen oder Kopfhörer aufsetzen, um mal runter zu kommen, räumen nicht mal 40 Prozent der Chefs ein, dass Hintergrundgeräusche sich auf die Arbeit und Konzentration ihrer Angestellten auswirken. Tatsächlich gaben die meisten Chefs an, dass die Büros so angelegt sind, dass Mitarbeiter schnell auf kurzen Wegen miteinander kommunizieren können.

"Das Fazit der Studie lautet: Chefs überschätzen die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter, Lärm auszublenden, und das Büro-Design ist auch nur selten dafür ausgelegt."
Tobias Jobke (DRadio Wissen) über die Befragung zu Arbeitsbedingungen

Jetzt könnte man ja sagen, wenn es dir im Großraumbüro zu laut ist, dann mach doch Homeoffice; erlauben ja inzwischen viele. Da beklagt aber ein Großteil der Befragten, dass die technische Ausstattung und Vernetzung unzureichend ist. Und: was auch noch ein großer Stressfaktor ist, ist das ständige Mail-Checken. Auf dem Smartphone, dem Tablet, zu Hause.

Auch in diesem Punkt zeigt sich die unterschiedliche Wahrnehmung von Chefs und Mitarbeitern. Fast 70 Prozent der Mitarbeiter hätten gerne, dass ihr Arbeitgeber Strategien gegen das Always On und einen möglichen Burnout entwickelt. Von den Chefs hält das gerade mal gut die Hälfte für notwendig.