Arbeitsmarkt

Babyboomer gehen in Rente – Chance für den Nachwuchs

Große Konzerne wie Bayer, Bosch oder Siemens haben den Abbau von Stellen angekündigt. Aber keine Sorge! Das betrifft in erster Linie ältere Mitarbeiter, die in Frührente gehen. Dass sich gerade viele Babyboomer in den Ruhestand verabschieden, könnte bald gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt für den jungen Nachwuchs bedeuten.

Die Babyboomer-Generation, also Menschen, die in den geburtenstarken Jahrgängen der 1950er und 1960er Jahren geboren wurden, kommen so langsam ins Rentenalter. Große Konzerne wie Bayer, Siemens, Bosch und BASF haben angefangen, die ersten von ihnen in Frührente zu schicken. Ab 2020 wird ein großer Teil dieser Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen. Rund zehn Millionen Beschäftigte zählen laut Kölner Institut der deutschen Wirtschaft dazu – das ist fast jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland.

"Jetzt gehen die natürlich nicht alle auf einen Schlag in Rente, sondern eben peu à peu in den nächsten Jahren."
Katja Scherer, Deutschlandfunk Nova

Öffentliche Verwaltungsjobs, Pflegepersonal und Lkw-Fahrer

Dass zehn Millionen Beschäftigte kurz vor der Rente stehen, betrifft den gesamten Arbeitsmarkt, sagt die Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer, manche Branchen aber etwas stärker als andere. Dazu zählen etwa die öffentliche Verwaltung, die Pflegeberufe oder auch die große Zahl an Lkw-Fahrern, die 55 Jahre alt oder älter sind. Da viele Babyboomer nicht studiert sondern eine Ausbildung gemacht haben, wird es besonders stark in Ausbildungsberufen zu spüren sein, wenn sie in den nächsten Jahren den Arbeitsmarkt endgültig verlassen.

Enorme Lücke auf dem Arbeitsmarkt erwartet

Zwar wird die Lücke, die durch den Weggang der Babyboomer entsteht, durch die Digitalisierung etwas verringert, weil bestimmte Ausbildungsberufe dadurch wegfallen. Dafür entstehen aber auch neue Jobs, für die man oftmals eine höhere Qualifizierung benötigt und somit eher ein Studium als eine Ausbildung. Das gilt vor allem für MINT-Berufe, als Jobs in den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. In der Summe wird also trotz Digitalisierung in Zukunft eine enorme Lücke auf dem Arbeitsmarkt entstehen, sagt Katja Scherer.

"Also der zunehmende Fachkräftemangel führt tatsächlich dazu, dass nicht mehr nur die Arbeitnehmer sich beim Arbeitgeber bewerben, sondern dass auch Arbeitgeber viel stärker in der Pflicht sind, attraktiv zu sein für künftige Arbeitnehmer, sich auch um Jugendliche zu bewerben."
Regina Flake, Arbeitsmarkt-Expertin beim Institut der deutschen Wirtschaft

Zwar hänge es immer von der eigenen Ausbildung und der eigenen Leistung ab, sagt Katja Scherer, aber insgesamt gesehen, stellt sie Berufsanfängern für die Zukunft eine positive Prognose. Die Wirtschaftsjournalistin sagt, dass diejenigen, die auf Jobsuche sind, diese Phase künftig optimistisch angehen können. Sie werden den Vorteil haben, dass Unternehmen stärker in Konkurrenz um den Nachwuchs stehen werden und regelrecht um die Jobanfänger werben werden.

Korrektur: Im Gespräch sagte die Autorin versehentlich, zehn Millionen Babyboomer, das sei fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland. Korrekt hätte es heißen müssen: fast jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland zum 31.12.2018 nämlich rund 33 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und im ersten Quartal 2019 rund 41 Millionen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Im Audio wurde der Versprecher entfernt, im Text korrigiert.