Es sieht wie ein Jobwunder aus: 1,5 Millionen neue Jobs in Deutschland seit 2003. Allerdings reden wir nicht von gut bezahlten Vollzeitjobs, sondern von Nebenjobs. Und deshalb warnen Arbeitsmarktforscher auch vor diesem Jobwunder. 

Unternehmen sind mit Minijobs sehr flexibel. Vor allem durch die kurzen Arbeitszeiten können sie mit ihnen gut disponieren. Für Arbeitnehmer haben Minijobs den Vorteil, dass sie von Steuern und Abgaben komplett befreit sind.

Aber die allermeisten Minijobber zahlen nicht in die Rentenkasse ein. Berufliche Entwicklung und Alterssicherung finden bei den meisten Nebenjobs nicht statt, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

"Minijobs finden sich typischerweise in Dienstleistung, Gastgewerbe und Handel. Das sind nicht die Jobs, die einen im Arbeitsmarkt weiterbringen."
Enzo Weber, Arbeitsmarktforscher

Durch die komplette Steuer- und Abgabenfreiheit sind Minijobs quer durch die Gesellschaft beliebt. Trotzdem überwiegen bestimmte Gruppen: Menschen mittleren Alters, mehr Frauen als Männer, Menschen, die in ihrem Hauptjob Teilzeit arbeiten. Vor allem sind unter den Minijobbern viele Menschen, die in ihrem Hauptjob relativ wenig verdienen. 

Anstieg auch bei den Vollzeitstellen

Seit 2005 gibt es einen starken Aufwärtstrend im deutschen Arbeitsmarkt. Auch die Zahl der vollen Jobs geht nach oben. Und trotzdem ist die Zahl der Minijobs überproportional gewachsen, sie hat sich seit 2003 auf 3,07 Millionen verdoppelt.

"Da braucht man sich nicht zu wundern. Das liegt daran, dass Nebenjobs gegenüber Vollzeitjobs beim selben Arbeitgeber so steuerlich so stark begünstigt sind."
Enzo Weber, Arbeitsmarktforscher

Diese Entwicklung ist aus Sicht des Arbeitsmarktforschers Enzo Weber nicht sinnvoll, weil es für Minijobber keine beruflichen Perspektiven und keine Alterssicherung gibt. Deshalb plädiert er dafür, die steuerliche Begünstigung von Nebenjobs zurückzunehmen. 

"Geringverdienern sollte man die Verdienstmöglichkeit nicht nehmen. Aber man sollte sie lieber in ihrem Hauptjob steuerlich entlasten."
Enzo Weber, Arbeitsmarktforscher