Manche Menschen empfinden Kaugeräusche als Lärm, zum Beispiel wenn Kollegen etwa Karotten, Äpfel oder Nüsse knabbern. Zu Recht sagt der Psychologe und Hörwirkungsforscher Markus Meis. Unser Reporter Martin Krinner hat sich mit dem Phänomen beschäftigt.

Neulich in der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion: Ein Kollege hatte Rohkost als Snack dabei. Sellerie und Karotten. Bei der Arbeit im Großraumbüro fing er an, das Gemüse genüsslich zu knabbern. Eine Kollegin war von den Geräuschen nach kurzer Zeit ziemlich genervt. Die Folge: Eine Diskussion darüber, ob Karottenkauen Lärm ist oder nicht.

"Beim letzten Mal, da hat ein Kollege sehr genussvoll eine Gurke verspeist. Und nach ein paar Bissen war das Gurkenwasser auch auf meinem Schreibtisch."
Antwort bei einer Umfrage zu Kollegen, die nerven, weil sie am Arbeitsplatz essen

Unser Reporter Martin hat sich daraufhin mal umgehört, ob diese Situation ein spezieller Einzelfall ist oder ob es mehr Menschen gibt, die sich durch Kaugeräusche am Arbeitsplatz belästigt fühlen. Und ja: Es gibt sie. Sei es das Krachen, wenn wir in einen Apfel beißen und das Schlürfen, wenn wir anschließend den Saft aufsaugen oder das Knacken, wenn wir Möhren oder Gurken essen.

Markus Meis ist medizinischer Psychologe und Hörwirkungsforscher am Hörzentrum der Uni Oldenburg. Er sagt: Beim subjektiven Empfinden ist nicht nur entscheidend, wie laut ein Geräusch ist, sondern auch was es für eine Qualität hat. Alle Geräusche, die man hören kann und die nicht gewollt sind, werden als "unwanted Sound" bezeichnet. Die Kaugeräusche der anderen nehmen wir vor allem deswegen wahr, weil sie impulshaft sind. Denn anders als kontinuierlicher Lärm – zum Beispiel Rauschen – können wir diese Impuls-Geräusche nicht einfach ausblenden.

"Ich denke mal, bei Kaugeräuschen, bei einer knackenden Mohrrübe, haben wir ein durchaus impulshaftes Geräusch, das wird immer als lästiger empfunden, als wenn das so ein gleichmäßiges Rauschen ist."
Markus Meis, Psychologe und Hörwirkungsforscher

Was bei den Kaugeräuschen aber noch dazukommt – und gerade im Büro für Ärger sorgen kann – ist Folgendes: Der Mensch, der die Karotte knabbert, merkt oft gar nicht, dass er fürchterlich laut ist. Unser Gehirn hat nämlich eine automatische Abschaltfunktion für diesen Lärm. "Das werden Sie merken, wenn die Ohren verstopft sind", sagt Markus Meis, "dann funktioniert das auf einmal nicht mehr, und dann merkt man, wie unfassbar laut die eigenen Kaugeräusche sind." Unsere Kollegen und Kolleginnen, die neben uns sitzen, haben diesen automatischen Filter natürlich nicht, wenn sie nicht gleichzeitig essen.

Büro-Etikette: Gegen Rohkost ist nichts einzuwenden

Jan Schaumann ist Stiltrainer und berät kleine und große Unternehmen in Sachen Büro-Etikette. Er hat noch eine andere Sicht auf die Dinge. Seiner Meinung nach ist Gemüse gesund. Und wenn das jemand am Schreibtisch essen will, dann sollte er nicht erst das OK der ganzen Belegschaft holen müssen. "Es ist ja kein Döner! Oder die Ente Sichuan, die jetzt durchs ganze Büro wabert. Wenn ich eine Mohrrübe esse, ich glaube, das ist für alle Beteiligten in Ordnung", sagt Meis. Und denjenigen, die das nervt, rät er erstmal tief in den Bauch zu atmen und sich zu entspannen.