Seit mehreren Tagen sitzt der Höhlenforscher Johann Westhauser schwer verletzt in der Riesending-Schachthöhle in den bayrischen Alpen fest - die Rettungsaktion läuft. Doch er bekommt nicht nur Mitleid, im Netz gibt's auch viel Häme: Warum musste er da runter? Was kostet das Ganze? Und wofür überhaupt? Fragen, die der Archäologe Jörg Orschiedt beantworten kann. Er ist auch schon in einige Höhlen gestiegen.

Besonders fasziniert ihn, dass dort alles, was einmal reingefallen ist, liegenbleibt. Er spricht dann von Sedimentfallen. Die sind für Archäologen wie ihn so wichtig, weil sich dort vieles aus den letzten Jahrtausenden angesammelt hat, zum Beispiel Überreste von Bestattungen der Neandertaler, Feuerwerkzeug oder Tierknochen. Das alles zeigt Jörg Orschiedt, dass es den Menschen und dessen Vorfahren schon immer in Höhlen gezogen hat.

"Es hat etwas mit dem Urinstinkt zu tun, dass man wissen will, was sich da unten tut"
Der Archäologe Jörg Orschiedt zeigt den Teil eines menschlichen Schädels (l) und einen Wolfskiefer
© dpa
Ärchäologe Orschiedt war selbst schon in vielen Höhlen.

Höhlen sind Fundgrube für die Forschung

Aber nicht nur für Archäologen sind Höhlen ein beliebtes Forschungsfeld: Dort unten tummeln sich auch Klimaforscher, Geologen und Zoologen. Und sie forschen zum Teil an ganz alltäglichen, praktischen Dingen:

"Der Untergrund in Höhlen, die Statik spielt zum Beispiel eine Rolle, wenn man etwas bauen will."
Jörg Orschiedt, Archäologe

Die Forschung in Höhlen spielt auch eine Rolle bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll: Man muss wissen, wie das Gestein in der Tiefe beschaffen ist - und das erfährt man durch die Höhlenforschung.