Andrea Seelich hat europaweit über 30 Gefängnisse entwickelt. Die Architektin findet wichtig, dass die Architektur zu den Abläufen passt.

Die Justizanstalt Oldenburg sei ein Positivbeispiel, so die Architektin. Jahrelang wurde dort am Betriebskonzept gefeilt. Heute zahlt sich das aus. Schon die Straße zum Gefängnis ist Gegenstand des Plans. Eine verkehrsberuhigte Einfahrt ermöglicht es, Insassen sicher zum Eingang zu transportieren. 

Gefängniskonzept und Architektur müssen passen

Innerhalb der Gebäudes sollte zum Beispiel berücksichtigt werden, dass die Wege nicht zu lang werden. Denn Personal müsse in Gefängnissen häufig sehr weite Strecken zurück legen, weiß die Justizarchitektin.

Eine andere Herausforderung ist der Besucherraum. Wenn der in der Nähe des Eingangs angelegt ist, kommen die Gäste nicht so weit in die Einrichtung - das ist ein Vorteil. Andererseits bringt er die Insassen nah an die Pforte, was eine Fluchtgefahr erhöht. Moderne Besuchsräume seien deshalb oft mit ganz viel Glas ausgestattet. Aus vordergründigen Sicherheitsgründen, sagt Andrea Seelich.

"Die psychologische Wirkung eines zwei Meter breiten Raumes ist entsetzlich."

Gefängniszellen, wegen der beruhigenden Wirkung, pink zu streichen, funktioniere allerdings überhaupt nicht, sagt Andrea Seelich: "Es ist naiv zu denken, mit einer Farbe bestimmte Probleme in den Griff zu bekommen. Die Probleme in Vollzugsanstalten sind vielschichtig und müssen auch so betrachtet werden."

Quadratische Gefängniszellen?

Weil Fassadenfläche teurer war als Zwischenwände, wurden Gefängniszellen zwei Meter breit in die Tiefe gebaut, berichtet die Architektin. Das ist sehr eng. "Da einen Insassen herauszubekommen, der sich vielleicht etwas antun will, ist sehr ungünstig", so Andrea Seelich.

"Ein Lösungsansatz wäre, die Zellen quadratisch zu machen, denn ein Gang oder ein längsgerichteter Raum gibt eine Bewegung vor. Ein quadratischer Raum lädt zum Verweilen ein."

Schlechte Gefängnisarchitektur hat eine starke negative Wirkungen auf Insassen und Personal, weiß die Architektin: "Bei Neubauten gibt es leider kaum Leute, die sich mit der Wirkung der Architektur von Justizvollzugsanstalten auseinandersetzen."

"Moderne Gefängnisse sind oft bunte Glaswürfel. Sie kommen effektiv fotografiert auf Hochglanzpapier daher."