Es klingt wie ein Thriller-Drehbuch: Einen Tag vor der entscheidenden Aussage im argentinischen Parlament wurde der Staatsanwalt Alberto Nisman Mitte Januar tot in seiner Wohnung gefunden. Nisman hatte schwere Vorwürfe gegen Präsidentin Kirchner erhoben. War es Mord? Diese Frage spaltet seit Monaten das ganze Land.

"Die Ermittler sind noch sehr weit von einer Lösung dieses Falls entfernt", sagt Korrespondentin Anne Herrberg in Buenos Aires. Nach wie vor wühlt der Fall das Land auf - obwohl es keine wirklichen Neuigkeiten gibt. "Möglicherweise stecken die Geheimdienste, die Politik, die Justiz mit drin. Das hält einen in Atem", so Herrberg. Zum Hintergrund: Nisman hatte die Ermittlungen zum größten Terroranschlag in der Geschichte Argentiniens geleitet. 1994 waren bei einem Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus "Amia" 85 Menschen getötet und 300 Personen verletzt.

Aufgeheizte Stimmung

Staatsanwalt Nisman hatte schwere Vorwürfe gegen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner erhoben. Sein Verdacht: Kirchner selbst versuche, die mutmaßlichen Hintermänner dieses Attentats zu decken. Allerdings wurde er einen Tag bevor er diese Vorwürfe im Parlament verteidigen sollte, tot in seiner Wohnung entdeckt.

"Die Stimmung ist noch aufgeheizter. Argentinien befindet sich im Wahlkampf", erklärt Anne Herrberg. Ende Oktober findet möglicherweise ein Regierungswechsel statt. "Und dass hier so heftig über den Fall debattiert wird, dass sagt auch viel über die argentinische Gesellschaft aus."

"Argentinien ist gespalten in Kirchner-Anhänger und Kirchner-Gegner. Und dem anderen Lager traut man alles zu."
Anne Herrberg, Korrespondentin

Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung begann Anne Herrberg ihren Job als Kurzzeit-Korrespondentin in Buenos Aires. Zurzeit vertritt sie ihren Kollegen Julio Segador. Seit vier Jahren arbeitet Herrberg als freie Journalistin in Argentinien: "Das war ein Vorteil, ich war ja schon in Argentinien."

Anne Herrberg im Tigredelta
© Nadège Gaillard
Anne Herrberg im Tigredelta

Der Wechsel ins Korrespondenten-Büro hat ihr einen neuen Blick eröffnet: "Man arbeitet aktueller, das Berichtsgebiet ist viel größer als das einer freien Journalistin." Immerhin ist die ARD in Buenos Aires für neun Länder zuständig. Zum Glück kennt Anne Herrberg viele dieser Länder aus eigener Erfahrung: "Wenn man nicht selbst in einem Land war, kann man sehr viele Artikel und Bücher lesen, aber man kann manche Sachen nicht so gut einschätzen."