In Argentinien schlägt die Vergangenheit zurück: 1,3 Milliarden Dollar plus Zinsen soll das Land an Gläubiger zahlen, die dem Land vor der Krise von 2001 Geld geliehen hatten. Um Argentinien vor der Pleite zu bewahren, hatten viele Gläubiger damals auf ihre Investitionen verzichtet. Einige nicht - und die haben vor dem Oberste Gerichtshof der USA Recht bekommen.

Die Zukunft Argentiniens liegt in den Händen des US-Richters Thomas Griesa in New York: Denn wenn weitere Gläubiger ihre durch die Krise von 2001 verlorenen Investitionen zurückfordern, dann könnte es für das Land eng werden.

"Wenn andere Kläger nachziehen, dann müsste Argentinien die Hälfte seiner Devisenreserven an sie zahlen. Diese Reserven sind ohnehin sehr niedrig. Das Land könnte in den Bankrott getrieben werden."
Barbara Fritz, FU Berlin

Das Verfahren an sich ist rechtens, erklärt die Volkswirtin Barbara Fritz von der FU Berlin: "Wenn internationale, private Gläubiger einem Land Geld leihen, dann sind dafür internationale Gerichte zuständig." Zwar bemühe sich die Internationale Gemeinschaft seit den 80er-Jahren, ein Insolvenzrecht für souveräne Staaten zu schaffen - "das ist aber immer wieder gescheitert."

Hedgefonds wollen Argentinien mehr Zeit geben

Allerdings: Die Anwälte der Finanzinvestoren sagten vor Kurzem, dass Argentinien mehr Zeit bekommen könnte, die Schulden zurückzuzahlen, falls es Fortschritte in den Verhandlungen gebe. Beide Seiten hätten schließlich ein starkes Interesse an einer Lösung des Streits. (Mehr Informationen hier.)

Griechenland könnte ein argentinisches Szenario treffen

Aus europäischer Perspektive ist an dem Fall besonders interessant, dass es in einigen Jahren auch Griechenland oder osteuropäische Länder von so einem Verfahren betroffen sein könnten. "Das schränkt den Handlungsspielraum von souveränen Staaten erheblich ein", sagt Barbara Fritz. Sie fordert daher hohe Hürden für Gläubiger.