Der Paritätische Wohlfahrtsverband verzeichnet für 2018 einen leichten Rückgang in der Armutsstatistik für Deutschland. Sie bleibt für viele Kinder, Migranten, junge und alte Menschen und in fast allen Bundesländern ein akutes Problem.

Armut in Deutschland, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband mit Zahlen des Statistischen Bundesamts definiert, ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent zurückgegangen. Der Verein hat seinen Armutsbericht 2019 veröffentlicht. Die Einkommensgrenzen für Armut liegen demnach bei:

  • 1035 Euro (Singlehaushalt)
  • 1863 Euro (Paar mit einem Kind unter 14 Jahre)
  • 2174 Euro (Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahre)

Regionale Unterschiede beim durchschnittlichen Einkommen werden dabei ganz bewusst nicht berücksichtigt. Die Kluft zwischen Armuts- und Wohlstandsregionen wächst allerdings immer noch stetig.

Jedes fünfte Kind ist arm

Trotz der guten aktuellen Tendenz: In den vergangenen zehn Jahren ist die Gruppe Menschen, die in Altersarmut leben, um ein Drittel angestiegen. Aktuell lebt dem Bericht zufolge jedes fünfte Kind in Armut.

Der durchschnittliche Anstieg kann einfach durch statistische Schwankungen begründet sein, oder in kurzfristigen Entwicklungen am Arbeitsmarkt, vermutet der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge.

"Vielleicht sinkt die Armutsquote leicht, weil mehr Erwerbslose in das Berufsleben wiedereingegliedert werden. Das Grundproblem, dass sich die Republik stärker in arm und reich spaltet, bleibt bestehen."
Christoph Butterwegge, Politikwissenschaftler und Armutsforscher

Außerdem zeigt der Bericht, dass die Armut in Deutschland je nach Region stark variiert. In einigen Regionen und Ländern hat die Zahl der Armen in den vergangenen Jahren um mehr als 20 Prozent zugenommen.

Ruhrgebiet als Problemregion

Am besten geht es den Menschen im Süden – in Bayern und Baden-Württemberg. Der Osten ist nach wie vor stärker von Armut betroffen. Allerdings ist der Unterschied zwischen Ost und West, nicht mehr so deutlich. In Hessen liegt die Armutsquote zum ersten Mal über dem Bundesdurchschnitt. Das hat vor allem etwas mit den steigenden Mieten zu tun. Das Ruhrgebiet ist die größte Problemregion in Deutschland. 20 Prozent der Menschen dort leben in Armut.

"Diese Quartiere zerfallen, die Läden schließen. Das Ruhrgebiet droht, zum Armenhaus der Republik zu werden. Genau das zeigt auch dieser Armutsbericht."
Christoph Butterwegge, Politikwissenschaftler und Armutsforscher

Die Region kämpft immer noch mit dem Strukturwandel – dem massiven Verlust von Beschäftigung in Bergbau und der Schwerindustrie. Das macht sich auch in den Tafeln der Region bemerkbar, erklärt Günter Spikofski der Geschäftsführer der Duisburger Tafel.

"Das sind Menschen wie du und ich. Das sind Leute, denen man es nicht ansieht. Da muss man sagen: Die Armut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen."
Günter Spikofski, Geschäftsführer Tafel Duisburger

Der Verband beschreibt Deutschland als tief gespalten. Die Armutsquote reicht von 11,7 Prozent in Bayern und 22,7 Prozent in Bremen. Armutsforscher Christoph Butterwegge meint, das Steuersystem begünstige nicht immer sozial benachteiligte Menschen, die Mehrwertsteuer ist angehoben worden. Wichtige Gründe sind für ihn vor allem die Struktur des Arbeitsmarkts – der große Niedriglohnsektor – und die Verteilung von Gewinnen.

"Inzwischen arbeitet fast ein Viertel der Beschäftigten im Niedriglohnbereich. Wenn auf der anderen Seite eher die Gewinne steigen, dann ist klar, dass die soziale Ungleichheit wächst."
Christoph Butterwegge, Politikwissenschaftler und Armutsforscher