Weil bald der ICE durch ihr Revier rollt, wird die Zauneidechse umgesiedelt. Das Reptil steht nicht auf Zugfahrten, dafür aber auf der Roten Liste. Der Umzug der kleinen Echsen kostet allerdings eine zweistellige Millionensumme.

Sandra Panienka, gelernte Mineralogin und Umweltplanerin, hat inzwischen das richtige Händchen für die Echsen. Im richtigen Moment, meist, wenn die Tiere sich sonnen, kommt sie mit ihrer Teleskopangel, legt ihnen die Schlinge um den Hals und zieht zu. Mit ihrem Team hat sie schon 311 Zauneidechsen zwischen Wendlingen und Kirchheim-Jesingen gefangen und umgesiedelt. "Das ist die schonendste Art, wie man momentan bei Umsiedlungen Echsen abfangen kann", sagt Sandra Panienka. 

"Die Sonnenplätze sind die typischen Plätze, wo wir die Tiere abfangen. Sie kommen morgens raus, wenn es schön warm wird, und sonnen sich."
Sandra Panienka, Eidechsenfängerin

Das neue Zuhause sind Flächen, die Privateigentümer der Bahn für das Projekt zur Verfügung gestellt haben. Die Umweltplanerin begutachtet vorher, ob sich die Flächen für die Umsiedlung überhaupt eignen. Wichtigstes Kriterium: Die Flächen müssen nah an dem ursprünglichen Lebensraum liegen. Danach prüft Sandra, welche Dinge für den idealen Zauneidechsenlebensraum nachgerüstet werden müssen. 

"Holzelemente zum Sonnen sind für Zauneidechsen sehr wichtig."
Sandra Panienka, Planerin beim Umweltplanungsbüro Baader

Zum Beispiel deponieren die Umsiedler Totholz, in dem sich die Zauneidechsen verstecken und auf dem sie sich sonnen kann. Ausreichend Grünflächen müssen vorhanden sein, die für ein ausreichendes Nahrungsangebot an Insekten sorgen.

Umsiedlung wider der Natur

Eine Schwierigkeit bei der Umsiedlung ist die Rückkehr in das angestammte Revier. Damit das nicht passiert, wird das neue Zuhause – 150 Quadratmeter laut baden-württembergischer Naturschutzbehörde - eingezäunt. Zumindest eine Fortpflanzungsperiode sollte der Zaun stehen bleiben, bis die Eingewöhnung abgeschlossen ist, sagt Sandra

Das ganze Projekt kostet mehrere Millionen Euro. Die Umsiedlung ist eine Auflage, die die Bahn erfüllen muss, weil die Zauneidechse zu den bedrohten Tierarten gehört. Die gesamte Planung, Gutachten, Dokumentation und Schaffung neuer Lebensräume kostet pro Exemplar zwischen 2000 bis 4000 Euro. Neben den Zauneidechsen müssen noch mehr als 6000 Mauereidechsen bei Stuttgart-Untertürkheim zusätzlich umgesiedelt werden.