Eine neue großangelegte Studie belegt abermals den drastischen Insektenschwund. Die Studie belegt, dass vor allem die Landwirtschaft verantwortlich ist. Daran müsse sich schnell etwas ändern, so Studienleiter Wolfgang Weisser.

Innerhalb von zehn Jahren ist der Insektenbestand in Deutschland um teilweise bis zu 60 Prozent zurückgegangen – so das Ergebnis der Studie. "Manche Arten sind einfach weg", sagt Studienleiter Wolfgang Weisser von der TU München.

Zusammen mit einem internationalen Forschungsteam hat Wolfgang Weisser in einer breit angelegten Biodiversitätsstudie zwischen 2008 und 2017 eine Vielzahl von Insektengruppen in Brandenburg, Thüringen und Baden-Württemberg erfasst. Die Auswertung der Studienergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Nature vorgestellt.

Breit angelegten Biodiversitätsstudie

Dass die Insekten weniger geworden sind, haben zwar schon andere Studien gezeigt, aber noch nie auf so breiter Basis. Insgesamt wurden 2700 Arten erfasst, wobei diese nicht nur gewogen, sondern auch gezählt und kategorisiert wurden.

Insektenrückgang auf Wiesen stärker als in Wäldern

Die Studie des Forschungsteams der TU München hat den Insektenbestand sowohl auf Wiesen und Feldern als auch in Wäldern untersucht. Was Studienleiter Wolfgang Weisser besonders überrascht hat, dass Insekten auch in Wäldern deutlich weniger werden.

"Überraschend ist, dass wir auch einen Rückgang im Wald festgestellt haben. Der Wald ist ja ein System, in das wenig eingegriffen wird."
Wolfgang Weisser, Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der Technischen Universität München

Insgesamt sei der Rückgang der Insekten im Wald weniger stark als auf Wiesen und Feldern, sagt Wolfgang Weisser. Das sei aber nicht überraschend, da hier die Effekte der Landwirtschaft nicht so unmittelbar greifen. Dass es diese Effekte gibt, wissen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Für sie stelle sich anschließend eher die Frage, welche Effekte am größten seien.

Landwirtschaft hat Effekte auf Insektenbestand

Als mögliche Faktoren, die unter anderem für den Insektenschwund verantwortlich seien, nennt er Mähen, Düngen und die Bewirtschaftung der Felder durch Landwirte.

"Wir wissen, dass Landwirtschaft Effekte hat. Ein Landwirt mäht, düngt und beweidet das Grasland. Was wir jetzt wissen wollen, ist, was hat den größten Effekt?"
Wolfgang Weisser, Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie an der Technischen Universität München

Wolfgang Weisser will jetzt untersuchen, wie eine nachhaltige Landnutzung am besten gestaltet werden kann.

Besonders erschreckend bewerten die Forschenden, dass beispielsweise die selteneren Arten unter den Insekten auf Landwirtschaftsebene vollständig weg seien. "Und dass es auch die häufigeren Arten betrifft, die auch weniger werden. Das hätte ich so nicht gedacht", so Wolfgang Weisser.

Wie wir den Insektenrückgang eindämmen können

Für die Zukunft wäre wichtig, dass die Schäden durch die Landwirtschaft eingegrenzt werden, fordert Wolfgang Weisser. Die Schäden seien größer, als wir gemeinhin glaubten. Die Landwirtschaft nutze 50 Prozent unseres Landes, aber die Schäden durch Stickstoffeinträge in Luft und Wasser sowie Pflanzenschutzmittel gingen über diese 50 Prozent landwirtschaftlichen Flächen hinaus.

Weiterhin wichtig sei, dass Naturschutzgebiete auch als solche genutzt werden, sodass sich Insekten dort ungestört entfalten können. Das sollte unstrittig sein, so Wolfgang Weisser und der Staat solle Landwirte, die dort Landwirtschaft betreiben, entsprechend entschädigen.

Naturnahe Gärten gestalten

Nicht zuletzt haben wir selbst auch die Chance, etwas für Insekten zu tun. Wer einen Garten hat, sollte die Grasflächen nicht allzu oft zu mähen und Pflanzen im Winter nicht zurückzuschneiden. Hier fänden Insekten Platz zum Überwintern. Das könne Insekten schon sehr helfen, sagt Wolfgang Weisser.