Reichweitenangst befällt nicht nur Fahrerinnen und Fahrer von E-Autos. Sie schleicht sich weiter in unser Leben ein. Denn: Mehr und mehr Geräte unseres Alltagslebens werden elektrifiziert. Wie sich das auswirkt, im Auto und im Haushalt, berichten Fabian Kröger und Monique Miggelbrink in ihren Vorträgen.

Autos, auch Benziner, haben schon lange Batterien. Radio, Zigarettenanzünder, Licht innen und außen - jede Menge Funktionen hängen von der Autobatterie ab. E-Autos sind noch stärker auf Batterien angewiesen. Der Kultur- und Technikwissenschaftler Fabian Kröger hat sich mit der Geschichte des E-Autos befasst. Und die ist erstaunlich alt: Schon 1881 baute Charles Jeantaud, der als "Vater" des E-Autos gilt, seine erste Droschke mit Elektroantrieb.

"1895 gelang es Charles Jeantaud, von Paris mit einem Elektroauto bis nach Bordeaux zu fahren - aber nur, weil er zuvor im Abstand von 40 Kilometern Ladestationen aufgebaut hatte."
Fabian Kröger, Kultur- und Technikwissenschaftler
Camille Jenatzy in seinem Auto "La Jamais Contente"
© Imago Images | United Archives International
Camille Jenatzy in seinem Auto "La Jamais Contente"

Und schon 1899 erzielt Camille Jenatzy mit seinem E-Mobil mehr als 100 km/h. Es trug den Namen "La Jamais Contente". Wieso sich trotz der elektrischen, batteriebasierten Anfänge des Automobils in dem darauffolgenden Jahrhundert der Benziner durchgesetzt hat, berichtet Fabian Kröger in seinem Vortrag.

"Batterien leuchten nicht, sie sind geruchslos, man sieht ihnen nicht an, ob sie ge- oder entladen sind. Es sind vollkommen unsinnliche Objekte."
Fabian Kröger, Kultur- und Technikwissenschaftler

Aber nicht nur die Batterie auf der Straße und im Auto hat eine lange Geschichte, sondern auch die im Haushalt. Die Medienwissenschaftlerin Monique Miggelbrink beschreibt in ihrem Vortrag die Geschichte der elektrifizierten Unterhaltungselektronik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

"Alles blinkt und piept - von automatischen Heizreglern, über Feuermelder bis hin zu an der Hauswand angebrachten Alarmanlagen und Überwachungskameras."
Monique Miggelbrink, Medienwissenschaftlerin an der Universität Paderborn

Schon lange vor der Digitalisierung wurden Radios, Plattenspieler, sogar Fernseher mobil - dank Batteriebetrieb. Bereits 1966 wurde ein Fernseher als körpernahes, mobiles Medium inszeniert. Miggelbrink hat untersucht, wie diese portablen Geräte beworben und ins Bild gesetzt wurden.

Dritter Vortragender im Hörsaal ist der Medienwissenschaftler Wolfgang Hagen. Er spricht darüber, wie eine Batteriewissenschaft aussehen könnte.

Die Vorträge dieser Sendung wurden anlässlich der Tagung "Reichweitenangst. Batterien und Akkus als Medien des Digitalen Zeitalters" gehalten, die vom 24.-26. Januar 2019 an der Leuphana Universität Lüneburg stattgefunden hat. Fabian Kröger sprach dort "Zur Geschichte der Batterien im Automobil", Monique Miggelbrinks Vortrag trug den Titel "Batterien als Medien häuslicher Mobilität" und Wolfgang Hagen entwarf "Skizzen zur Grundlegung einer Batteriewissenschaft".

Podcast zur Sendung
  • Hörsaal
  • Moderatorin:  Katja Weber
  • Vortragende:  Fabian Kröger, Kulturwissenschaftler, Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne | Monique Miggelbrink, Medienwissenschaftlerin, Universität Paderborn | Wolfgang Hagen, Medienwissenschaftler, Leuphana Universität Lüneburg