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Schokolade gefastet haben sicher schon viele. Heilfasten heißt: so gut wie gar nichts essen. Das klingt schon anstrengender. Der Fasten-Experte Andreas Michalsen erklärt, warum es sich trotzdem lohnt und wie man selbst richtig fastet.

Tagelang nur Säfte oder Brühe trinken und schlechte Laune haben – das ist wohl das gängige Bild vom Heilfasten. Die Methode, bei der man für ein paar Tage weitgehend auf Nahrung verzichtet, sei aber sehr gut für unseren Körper, sagt Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Berliner Immanuel Krankenhaus. Die gesundheitlichen Effekte seien "faszinierend", so der Wissenschaftler.

"Da gibt es medizinisch eine relative Klarheit, dass das an sich – wenn man ein paar Dinge beachtet –, eine sehr gesunde Sache ist."
Andreas Michalsen über die Folgen des Heilfastens

Angst haben, dass man möglicherweise umkippt, braucht man nicht, betont der Arzt: "Der Körper ist sehr gut eingerichtet auf die Situation." Das habe auch mit der Evolution zu tun, schließlich hat es bis vor kurzem keine Kühlschränke und auch keine Supermärkte um die Ecke gegeben. Der Körper ist also an Hunger gewohnt.

"Wenn kein Essen von oben reinkommt, dann gewinne ich meine Energie aus dem Abbau von Fett", erklärt Andreas Michalsen. "Sobald wir etwa 24 Stunden nichts mehr essen, schaltet der Körper dieses Programm an."

Heilfasten als Stimulus für Körper und Geist

Heute hätten wir tendenziell zu viel zu essen, sagt der Mediziner. Deswegen seien diese Stoffwechsel-Systeme grundsätzlich überreizt. Beim Fasten würden sich der Stoffwechsel und die Zellen dann regenerieren und normalisieren: "Der Körper kriegt einen Stimulus."

Das sei nicht nur auf körperlicher Ebene hilfreich. "Dieses Reduzieren, das macht etwas mit uns. Das verändert uns im positiven Sinne", glaubt der Arzt. "Wir kriegen ein anderes Gefühl dafür, was wirklich wichtig im Leben ist. Und dass man nicht dauernd konsumieren muss."

Tipps für gesundes und erfolgreiches Heilfasten

  • Zuerst sollte man überhaupt prüfen, ob man zum Fasten geeignet ist. Grundsätzlich gilt: "Das Fasten für Gesunde muss auch nicht ärztlich begleitet werden", sagt Andreas Michalsen. Menschen, die untergewichtig sind oder Erfahrungen mit Essstörungen haben, sollten es aber lassen. Im Zweifel kann man zum Hausarzt gehen und nachfragen, empfiehlt der Mediziner.
  • Der Zeitraum des Heilfastens ist bei normalgewichtigen Menschen etwa fünf bis sieben Tage.
  • Während der Fastenzeit sollte man nicht mehr als 500 bis 600 Kalorien am Tag zu sich nehmen, so der Mediziner. "Es geht darum, wenig zu essen. Was man dann da isst, ist gar nicht so wichtig." Üblicherweise trinkt man Säfte oder auch Gemüsebrühe. Aber: "Man könnte auch Schokoladenfasten machen", scherzt der Arzt.
  • Wer mittels Fasten abnehmen will, dessen Erwartung wird einerseits erfüllt und andererseits enttäuscht, sagt der Arzt. Wer nach dem Verzicht, der natürlich zur Gewichtsabnahme führt, sofort wieder reinhaut, wird schnell wieder zunehmen. Wahr ist aber auch, dass "fast alle Menschen es nach dem Fasten leichter haben, sich gesünder zu ernähren". Denn Fasten verändere auch unsere Geschmackswahrnehmung, sodass wir danach etwa Süßes und Salziges viel stärker wahrnehmen.

Wem Heilfasten zu viel ist, kann auch auf einzelne Lebensmittel(gruppen) verzichten. "Es ist schon auch gut, wenn man teilfastet", sagt der Mediziner. Ab Aschermittwoch sechs Wochen keinen Alkohol zu trinken oder keinen Zucker zu essen, sei eine gute Idee für den Körper. "Man muss es nicht immer gleich ganz radikal machen."