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Die Opfer der Flutkatastrophe haben Traumatisches erlebt. Sie mussten zusehen, wie sich Angehörige und Freunde verletzten oder in den Fluten umkamen und haben große Angst erlebt. Diese Erlebnisse müssen verarbeitet werden. Eine wichtige Unterstützung ist dabei: Zuhören.

Mit der Flutkatastrophe ist in den betroffenen Gebieten auch ein Großteil der Grundversorgung weggebrochen: Trinkwasser, Gas, Strom, Lebensmittel und auch medizinische Versorgung werden dringend benötigt. Gerhard Trabert ist Allgemeinmediziner und mit seinem Arztmobil in den betroffenen Gebieten unterwegs, um eine hausärztliche Versorgung zu gewährleisten.

"Normalerweise muss ich mit dem Flugzeug in ein Katastrophengebiet kommen. Dieses Mal habe ich mich in mein Auto gesetzt und war nach zwei Stunden in einem Gebiet der totalen Zerstörung."
Gerhard Trabert, Allgemeinmediziner in Katastrophengebieten

Der Allgemeinmediziner ist immer dort unterwegs, wo großes Leid herrscht: Er versorgte Menschen nach dem Tsunami auf Sri Lanka oder bei einer Flutkatastrophe in Pakistan. Für seine Dienste wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Dieses Mal musste Gerhard Trabert nicht weit reisen – und das hat ihn nachhaltig bewegt.

Arztmobil als fahrendes Sprechzimmer

In einer Katastrophenregion zu helfen, in der er jede Nuance der Erzählungen der Opfer über ihre Erfahrungen und das Erlebte verstehen kann, ist etwas ganz Neues für den Mediziner – eine neue Art der Betroffenheit.

Er ist mit seinem Arztmobil zuerst nach Altenahr geschickt worden, denn dort konnten die ansässigen Hausärztinnen und -ärzte noch keine Versorgungsstruktur aufbauen. Gerade für Menschen, die von Medikamenten aufgrund ihrer Krankheit abhängig sind, ist das aber besonders wichtig, beispielsweise für Menschen mit Asthma, hohem Blutdruck oder Diabetes. Und viele der hausärztlichen Praxen sind zerstört. Gerhard Trabert erzählt: Die Hausärztinnen und -ärzte haben vor Ort bisher Großartiges geleistet und versucht dennoch eine Versorgungsstruktur aufzubauen. Wo das noch nicht klappt, springt er mit seinem Arztmobil ein.

"Natürlich haben wir mit Medikamenten versorgt. Aber nachhaltig bewegt hat mich das Bedürfnis der Menschen von ihrem Leid zu erzählen."
Gerhard Trabert, Allgemeinmediziner in Katastrophengebieten

Es sind grausame und leidvolle Geschichten, die der Arzt zu hören bekommt: Von einer älteren Frau, die erzählt, sie kannte sechs der vielen ertrunkenen Menschen. Von ihrer Enkelin, die eine Leiche im Garten entdecken musste. Ein junger Mann, der von seiner empfundenen Todesangst berichtet. Von einem Ehepaar mit zwei Kindern, das versucht hat ans Ufer zu schwimmen – die Frau und eines der Kinder sind dabei ertrunken.

Schreie der Hilflosigkeit

Bewegt haben den Mediziner die traumatischen Erlebnisse und auch die Schreie der Hilflosigkeit und die Erkenntnis, dass er dieses Leid nicht abmildern kann. Die einzige Möglichkeit zu unterstützen: da sein und zuhören.

"Was nicht hilft sind Beschwichtigungen und Relativierungen – sondern empathisch und ernsthaft zuzuhören."
Gerhard Trabert, Allgemeinmediziner in Katastrophengebieten

Die Menschen, die er versorgt, haben alles verloren. Da helfen keine Beschwichtigungen oder Relativierungen, sagt Trabert. Es sei umso wichtiger, dass sie in dieser Not Solidarität von außen spüren. Zum einen von politischer Seite durch finanzielle Hilfen, aber auch durch soziale Angebote.

Angebote für Traumatherapie und -pädagogik

Denn es sei wichtig, dass die Betroffenen sich auch nachhaltig über das Erlebte austauschen können, etwa in Gesprächskreises oder Gruppenangeboten. Besonders wichtig sind Gerhard Trabert dabei auch die Kinder, die bereits von der Pandemie gezeichnet sind und nun auch mit dieser Flutkatastrophe umgehen müssen.