Für Erkrankte ist das Gespräch mit Behandelnden häufig enttäuschend. Die Psychologin Swetlana Philipp bringt Studierenden bei, wie es besser geht. Etwas Geduld und das richtige Timing beim Nachfragen gehören für sie dazu.

Ob Krebsbefund, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Covid-19-Infektion: Ärztinnen und Ärzte müssen regelmäßig mit Patientinnen und Patienten Diagnosen besprechen. Manche sind lebensbedrohlich, andere nicht. An den Universitäten werden Medizinstudierende zwar auf solche Situationen vorbereitet. Dennoch sind viele Patientinnen und Patienten unglücklich mit dem Verlauf von Arztgesprächen.

Die Psychologin Swetlana Philipp arbeitet in der Ausbildung von Studierenden der Medizin.

"Eine Idealvorstellung von mir wäre, dass man bei jedem klinischen Fach auch immer mal ein Thema hat, wo man mit Schauspielpatienten die Kommunikation übt."
Swetlana Philipp, Psychologin, Institut für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Jena

Sie arbeitet am Institut für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie des Universitätsklinikums Jena und findet die bisherige Lehrpraxis in Bezug auf Kommunikation ausbaufähig.

Übungen mit Schauspielpatienten

Im zweiten Studienjahr wird an ihrem Institut psychologisches Grundwissen vermittelt und fordernde Gesprächssituationen praktisch mit Schauspielpatienten geübt.

"Da kommen Laienschauspieler, die geschult wurden, sowohl die Rolle zu spielen als auch anschließend dem Arzt zu sagen, wie er gewirkt hat."
Swetlana Philipp, Psychologin, Institut für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Jena

Die Studierenden müssten lernen, sich einen Eindruck von ihrem Gegenüber zu machen und ihre Reaktion daran anzupassen. Bei jemandem, der sehr viel redet, brauche es andere Gesprächstechniken als bei jemandem, dem jedes Wort erst aus der Nase gezogen werden müsse.

Erkrankte kommunikativ einschätzen

Zwei Fragen gelte es für die angehenden Ärzte und Ärztinnen abzuklären:

  • Wie viel Wahrheit braucht der Patient?
  • Wie viel Wunsch nach Mitbestimmung hat der Patient?

Grundsätzlich findet die Psychologin, dass Zeitdruck bei Arztgesprächen ein Problem sei. Umso wichtiger sei es, Patientinnen und Patienten nicht zu früh zu unterbrechen. Die meisten machten, während sie im Wartezimmer sitzen, bereits einen kleinen Plan und überlegten sich, was der Behandelnde wissen müsse.

"Wenn man dann diesen Patienten die Zeit gibt, auszusprechen, was er da geplant hat, sind viele Informationen schon drin. Man sollte nicht durch Unterbrechen und zu zeitiges Nachfragen dazwischenreden."
Swetlana Philipp, Psychologin, Institut für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Jena