Julian Assange sitzt seit vier Jahren in der Botschaft von Ecuador in London fest. Doch er ist nicht der Einzige, der sich für lange Zeit in einer diplomatischen Vertretung einquartiert hat. Besonders skurril ist ein Fall aus Äthiopien.

Julian Assange spricht am 4. Oktober 2016 vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London, in der er sich seit 2012 aufhält.

Mitte September hat ein schwedisches Berufungsgericht noch einmal bestätigt, dass der Haftbefehl gegen den der Wikileaks-Gründer wegen sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung rechtmäßig ist. Assange würde nach Schweden ausgeliefert werden, wenn er die Botschaft verlässt.

Flucht in die italienische Botschaft in Äthiopien

Aber Julian Assange ist nicht der einzige Botschaftsflüchtling. Ein ganz besonderer Fall spielt sich zum Beispiel in der italienischen Botschaft in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ab. Seit 1977 stand Äthiopien unter dem Regime von Mengistu Haile Mariam - bis er 1991 gestürzt wurde. In der Nacht des 27. Mai desselben Jahres sind vier zentrale Personen des Regimes in die italienische Botschaft geflüchtet.

  • Hailu Yimenu - Premierminister
  • Tesfaye Gebre Kidan - General und Vizepräsident
  • Berhanu Bayeh - Außenmininster
  • Addis Tedla - hoher General

Allesamt hohe Tiere im Derg, der Militärjunta, die an der Macht war. Wer sie in die Botschaft reingelassen hat, ist nicht klar - und tatsächlich sitzen zwei von ihnen noch immer dort - nach 25 Jahren.

Zwei der anderen sind mittlerweile tot: Der frühere Premierminister Hailu Yimenu hat sich 1993 umgebracht. 2004 wurde Tesfaye Gebre Kidan in der Botschaft umgebracht, und zwar von einem seiner Kollegen, Beranhu Bayeh, bei einem Handgemenge. Angeblich wurde ihm eine Flasche auf den Kopf gehauen. Es bleiben also noch Addis Tedla, ein hoher General und der frühere Außenminister Beranhu Bayeh.

Lebenslang Botschaftsflüchtling

2008 wurde gegen die beiden übrigen Männer in Abwesenheit die Todesstrafe ausgesprochen. Drei Jahre später wurde sie in lebenslange Haft umgewandelt. Dem wollen sich die Männer entziehen, indem sie sich freiwillig einkerkern. 2004 hat die italienische Botschaft eine Erklärung herausgegeben, dass sie die Männer nicht ausliefern werden, solange sie dem Risiko einer hohen Strafe ausgesetzt sind. Das hat die Botschaft vergangenes Jahr auch noch mal auf Nachfrage von Vice News bestätigt.

Wir wissen fast nichts darüber, was die beiden den ganzen Tag in der Botschaft machen. Die Botschaft lässt normalerweise keine Journalisten rein und untersagt auch Interviews. Vergangenes Jahr wurde aber auch nochmal bestätigt, dass die beiden Männer immer noch da sind.